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Das Geburtshaus

Vielleicht hast Du Dich schon einmal gefragt, wie Du zur Welt gekommen bist oder hast im Freundes- oder Bekanntenkreis von einer Geburt gehört und würdest gerne mehr erfahren? Frag doch mal Deine Eltern, vielleicht erzählen sie Dir eine Geschichte ähnlich der folgenden:
 
"Zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft erzählte mir eine Freundin vom Geburtshaus. Mich machte das neugierig und ich ging hin. Die Atmosphäre hier war klasse, entspannt, ohne jede Hektik, es war gemütlich und lebendig gleichzeitig eingerichtet. Das wichtigste aber war, daß ich hier die Hauptakteurin war. Und mein Partner. Es sollte unsere selbstbestimmte Geburt werden.
 
Die Zeit bis zur Geburt verging, eigentlich viel zu schnell. Und zwei Wochen vor dem errechneten Termin wußte ich dann irgendwie, daß es losgeht. Die Schmerzen im Rückenbereich deutete ich allerdings nicht als Wehen. Ich machte Entspannungsgymnastik, Joga für Schwangere, und war erwartungsvoll aber ruhig.
 
Mittwoch abends gingen Matthias, Dein Vater, und ich wie gewohnt zum Geburtsvorbereitungskurs ins Geburtshaus. Wieder Zuhause waren wieder diese Schmerzen da. Ich nahm mir eine Wärmflasche, wir legten uns hin. Etwa um Mitternacht machte es deutlich hörbar: "plob", Matthias und ich wurden naß. War das die Wärmflasche? Oh nein, die Fruchtblase! Geht es jetzt los? Zunächst: die Hebamme anrufen.
 
Die beruhigte mich und riet, abzuwarten. Erst wenn die Wehen in kurzen und regelmäßigen Abständen eingesetzt hätten, weiterzuhandeln. Irgendwie ging das aber ziemlich schnell. Ich rief erneut die Hebamme an. Jetzt fuhren wir auch ins Geburtshaus, mitten in der Nacht, um etwa 3:00 Uhr.
 
Heidrun, die Hebamme, meinte, es würde sich noch lange hinziehen, wir sollten noch einmal schlafen. Bei der ruhigen Musik, die sie einlegte, schlief sogar ich noch einmal ein.
 
Bei Morgengrauen war an Schlaf nicht mehr zu denken, die Wehen waren heftig, ich hatte den Wunsch zu pressen. Heidrun sah nach dem Muttermund, das ist die Öffnung, zu der das Kind bei der Geburt rauskommt. Da der Muttermund ganz offen war, war abzusehen, daß es nicht mehr lange dauern würde, bis Du geboren würdest.
 
Weil ich von einer Wassergeburt schon viel gehört hatte, wollte ich das auch gerne ausprobieren. Allerdings war der Geburtsvorgang schon zu weit fortgeschritten, um die Vorteile des warmen Wassers genießen zu können. Kaum saß ich in der großen Wanne, kamst Du auch schon mit einer einzigen Preßwehe. Heidrun fing Dich auf und legte Dich mir in die Arme. Du hast nicht geschrien, warst eher neugierig auf uns.
 
Es war mir völlig egal, ob Du ein Mädchen oder ein Junge bist, Du warst lebendig, ich fühlte Dich. Die Zeit blieb stehen. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich noch in der Wanne saß. Das Zimmer war jetzt von der Sonne beleuchtet, ein wunderschöner Septembermorgen, etwa zehn Minuten vor Acht Uhr. Matthias nabelte Dich ab, als die Nabelschnur nicht mehr pulsierte. Schließlich lag ich wieder im Bett, Du neben mir und Du trankst, die ersten, noch etwas zaghaften Schlucke, die Du der Brust entnahmst. Matthias spielte etwas auf der Gitarre. Es war so ruhig und entspannt, von draußen kaum Geräusche und nur das Sonnenlicht.
 
Dann machte Heidrun die erste Untersuchung bei Dir und wir erfuhren, daß Du stolze 50 Zentimeter lang warst, 3390 Gramm wogst, einen Kopfumfang von 37 Zentimeter hattest und eine Apgar-Zahl von 9-10-10. Apgar-Zahl ist eine offizielle Bewertung Deines Gesundheitszustandes nach der Geburt, wobei 10 die beste Bewertung ist.
 
Weil mein Damm, die empfindlichste Stelle bei der Geburt, gerissen war, als Du rausgekommen warst, mußte ich noch genäht werden. Aber auch das ging ziemlich zügig und problemlos. Schon kurz nach Mittag durften wir alle nach Hause fahren. Bei dem herrlichen Wetter genoß ich die Fahrt Unter den Linden entlang in den Prenzlauer Berg.
 
Matthias kümmerte sich um den Haushalt, ich konnte mich ganz auf Dich konzentrieren. Wir waren für uns alleine, konnten unseren eigenen Rhythmus finden, hatten Zeit und Muße für uns drei.
 
Janka, unsere Wochenbetthebamme, kam täglich, hin und wieder war jemand aus dem Freundes- und Verwandtenkreis neugierig und besuchte uns. Aber alles war ruhig und entspannt.
 
Die Kinderärztin kam fünf Tage nach der Geburt zu uns nach Hause, machte die zweite Untersuchung bei Dir. Wir erfuhren leider nicht, wieviel bei den häufigen Brustmahlzeiten Du in der Zwischenzeit schon zugelegt hast, denn es war keine Waage da. Aber was machte das schon?!
 
Matthias und ich haben Dich in der Anfangszeit viel im Tragetuch getragen, abwechselnd mit dem Kinderwagen, abgestimmt jeweils auf unseren Rücken. Sehr bald hast Du die aufrechte Position bevorzugt, sahst Dich gerne um und warst neugierig an dem interessiert, was wir tagtäglich machen.
 
Die Drei-Monats-Koliken kennen wir von Dir gar nicht. Du warst von Anfang an ein sehr aufgewecktes, neugieriges, freundliches Kind, das sich zufrieden und aktiv sehr gut mit uns, Deinen Eltern, zurechtgefunden hat." Diesen Geburtstag erlebte Merit am 2. September 1999. Wie war Dein eigener Geburtstag?
(Geschrieben von Petra - Ute Roeder)

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Das Geburtshaus am Klausenerplatz



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