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Wer ist der Klabautermann?

"Wer ist der Klabautermann?" fragte Janek neugierig. "Steh von ihm auch etwas in deinem Buch?" Doch Mäxchen Pfiffig kam gar nicht zur Antwort. Ein alter Seebär, der lange Tüwe, fängt sofort an zu erzählen:


"Tja, der Klabautermann! Wer sich mit dem nicht gut stellt, der hat schwer zu leiden. Er ist der gute Schiffsgeist, läßt sich aber von keinem sehen, dafür lärmt und poltert er um so kräftiger bei Tag und Nacht, am liebsten in leeren Tonnen. Schon beim Bau des Schiffes hilft er heimlich mit kalfatern. Doch wehe, wenn ihn einer ärgert, den hängt er in die Rahen, oder er stellt ihm ein Bein. Voller Angst sind die Schiffer, wenn der Klabautermann am Bugspriet erscheint, oder wenn er gar von dem Schiff davonfliegt. Sogleich folgen ihm die Ratten nach, sagt man. Und für das Schiff ist das ein Unglück. Meistens geht es unter. Habt's ja vorhin gelesen."


"He — das ist alles Aberglaube!" ruft einer. "Na, na, wer weiß...!" schmunzelt der lange Tüwe. "Wenn man ihn gut behandelt und immer gut zu essen gibt, dann geschützt er das Schiff vor Brand, Strandung und anderen Gefahren. Tja, so ist das.

Ich kenne da so eine Sage, hört zu:

Ein Segelschiff machte eine lange Reise über das Meer. Die Mannschaft ging ihrer gewohnten Arbeit nach, der Kapitän saß in der Kajüte . Plötzlich kam er an Deck und rief dem Schiffsjungen zu: "Bring eine Flasche Wein und zwei Gläser!" "Zwei Gläser, Kapitän?" fragte der Junge zweifelnd. Der Kapitän blickte ihn unwillig an und befahl, zu gehen und zu tun, wie er geheißen. Als der Junge mit dem Gewünschten die Kajüte betrat, saß da am Tisch des Kapitäns das Klabautermännchen. Der Kapitän bestellte noch einen reichlichen Imbiß. Bevor der Schiffsjunge zum Koch ging, blickte er rasch noch einmal durch das Schlüsselloch und sah, wie der Kapitän dem kleinen grauen Kobold Wein einschenkte und mit ihm trank. Ehe der Schiffsjunge den bestellten Imbiß zum Kapitän hineintrug, entwendete er heimlich ein paar Leckerbissen. Als er abends, abseits von den anderen, diese verzehren wollte, erhielt er von unsichtbarer Hand eine solche Ohrfeige, daß er laut schreiend über das Deck schlidderte. Die Matrosen eilten herbei, fanden die Bissen, und der Junge mußte alles beichten. Nun wußte man, von wem die Ohrfeige stammte."

Quelle: Ilse Korn, Fröhlich sein und singen, 1957, con rado jadu 2000

 

Klabautermann-Club für Deutschland



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