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Hannibal der sprechende Wurm

Zeichnung von Werner Fegert

von Angel Jean de Roosen

Hannibal ist ein Wurm. Aber kein normaler Wurm! Nein! Hannibal de Elefantowurme so heißt er mit vollem Namen, stammt aus der Familie der Königswürmer und ist ein Adliger. Hannibal kommt vom Planet Rikapasien. Genauer gesagt aus Frakan. Rikapasien und unsere Erde könnten fast Zwillinge sein. Aber nur fast! Die Erde ist eine Kugel und der Planet ist flach wie eine Pizza.


Aber: könnt ihr euch eine Pizza ohne Schinken, Salami, Tomaten oder Pilze vorstellen? Nein! Genau! Rikapasien ist "belegt" mit Wüsten, Seen, Meeren, Ländern, Wäldern, Städten und Bergen. Der größte Berg heißt Riesenberg. Kleinberg ist am kleinsten und der Mittelberg heißt so, weil er größer als Kleinberg aber kleiner als der Riesenberg ist. Der Riesenberg steht genau in der Mitte von Rikapasien. Man könnte ihn von allen Seiten besteigen, wenn es nicht noch "das dunkle Reich" gäbe!


Wenn man eine Pizza in vier Stücke schneidet und eines davon isst, sieht man den Teller darunter. Auf Rikapasien ist da wo der Teller zu sehen wäre, "das dunkle Reich". Es ist durch eine sehr hohe und dicke Mauer vom restlichen Planeten getrennt. Hinter dieser Mauer gibt es auch Wälder! Allerdings sind sie so dunkel das die Kinder vor lauter Angst nicht darin spielen. Auch die Tiere darin sind nicht Kinderlieb! Die Meere und Seen sind dunkelblau, fast schwarz und tief. Die Blubbers, so heißen dort die Fische, haben große Zähne die aussehen wie kleine Messer. Es scheint auch nie richtig die Sonne da. Jeder dort lebend Rikapasier, man nennt sie auch "die dunklen" wirkt immer traurig! Sie sehen aus als wüssten sie gar nicht wie man lacht.


Hannibal hat großes Glück gehabt. Frakan liegt auf der anderen Seite der Mauer. Dort ist es schön bunt und hell und lustig! Es leben aber nicht nur Königswürmer, Blubbers und "die dunklen" auf Rikapasien. Nein, es gibt auch Rikapasier auf der schönen Seite! Sie lächeln fast immer, sind nett zueinander und freundlich! Auch die Tiere in den Wäldern oder in den Seen und Meeren sind stets zum Spielen aufgelegt.
Die ersten Rikapasier die ich euch vorstellen möchte sind Barbara und Carsta Heimel. Achso ja! Eines muss noch gesagt sein! So wie es bei uns hier auf der Erde verschiedene Länder und Sprachen gibt ist es auch auf Rikapasien. Ich schreibe aber alles so, das es jeder versteht!


Barbara ist 7 Jahre alt. Sie geht in die erste Klasse der Lernwas-Schule in Regenheim. Das liegt im Vereinigten Staat Gewitterland. Sie trägt gerne Röcke und liebt Teddys über alles. Sie hat schwarze Haare die sie rechts und links vom Kopf zu Zöpfen zusammenbindet. Die wackeln beim Springen und Toben ganz lustig hin und her. In der Schule gibt es Buben die sie gerne daran ziehen. Barbara ist kleiner und dünner als ihre Schulkameradinnen aber wieselflink! Ihre braunen Augen blitzen richtig wütend, wenn sie mal wieder von Tobias oder Hansjörg, ihren Nebensitzern, geärgert wurde.


Natürlich hilft ihr auch ihre Schwester Carsta. Die ist 9 Jahre alt. Sie geht schon in die dritte Klasse der gleichen Schule. Carsta mag keine Röcke und keine Teddys mehr. Sie gibt sich mit solchem "Bläkerkram" nicht mehr ab. Bis 10 gilt man als Bläker. Von 11 - 15 heißt man Firez und danach Tela was erwachsen heißt. Carsta trägt Jeans und Pulli oder T-Shirt, weil sie ja bald erwachsen ist, wie sie überall gern und immer wieder erzählt. Barbara zieht sie dann mit den Worten auf: "Noch bist du nicht mal ein Firez, also warte erst mal ab!" Meistens streiten sich die beiden dann recht heftig und laut. Mutsch und Daddy erklären ihnen jedoch "das Streiten nicht schön ist" und sie es lassen sollen. Mutsch und Daddy sind die Eltern der beiden Mädchen.


Wenn man es nicht wüsste würde man die zwei nicht für Schwestern halten. Carsta hat nämlich blonde Haare und blaue Augen. Sie trägt ihre Haare stupfelig kurz wie ein Igel. Sie wollte diese Frisur unbedingt und hat hart dafür gearbeitet. Es gibt auf Rikapasien nämlich ganz tolle Gesetze für Kinder! Wenn sich ein Kind unbedingt etwas wünscht und eine bestimmte Zeit lang ( zwischen 2 und 6 Wochen) brav ist und auch mal im Haushalt mithilft oder den Müll runterbringt dürfen die Eltern nicht mehr Nein sagen! Toll was!


Carsta musste 2 Wochen lang spülen, kehren und den Müll rausbringen. Dann war es soweit! Vor Freude waren ihre Augen strahlend klar wie ein Badesee. Wenn sie sich aber ärgert sind sie dunkel wie eine Gewitterwolke. In ihrer Schule ist sie auch bekannt für Raufereien. Sie hilft ihrer Schwester, wenn die mal wieder geärgert wird. Kurz und gut sie hätte auch ein Junge werden können! Das behaupten auf jeden Fall ihre Eltern Dieter und Rita. Rita genannt Mutsch ist Hausfrau und kocht jeden Tag, außer am letzten Tag der Woche, die Lieblingsspeisen der beiden Mädchen. Noch so ein Rikapasisches Gesetz. Nur einmal in der Woche wird gegessen was die Eltern wollen, den Rest entscheiden die Kinder! Allerdings essen Rikapasische Kinder auch Spinat und solche Sachen. Sie kennen fast nur Lieblingsgerichte.

Mutsch ist eine schlanke junge Frau mit braunen Haaren. Sie hat immer ein Lächeln im Gesicht. Natürlich nur solang man sie nicht ärgert. Aber auf Rikapasien muss viel passieren bis sich die Leute mal ärgern. Sie hat auch sehr schöne Hände. Mit denen kann sie ganz lieb streicheln, wenn man hingefallen ist und sich das Knie blutig geschlagen hat. Allerdings hat sie auch sehr gute Ohren! Manchmal viel zu gut! Zum Beispiel, wenn die Mädchen abends im Bett liegen und noch reden und lachen, aber eigentlich schon schlafen sollten. Das hört sie immer und schickt die zwei dann zum Schlafen.


Kurz und gut: "Mutsch ist das liebste auf ganz Rikapasien was es gibt!", behaupten Carsta und Barbara. Daddy: "Der beste Daddy vom ganzen Planeten!", das hört man übrigens überall auf Rikapasien von allen dort lebenden Kindern. Natürlich meinen die damit ihre eigenen Eltern. Was "die dunklen" Kinder von ihren Eltern sagen weiß niemand, weil es auch niemand jemals gehört hat.


Jetzt zu Daddy. Er ist 20 cm größer als Mutsch. Er hat schwarze Stupfelhaare wie Carsta und dunkelblaue Augen. Um seine Augen und den Mund bilden sich immer kleine Lachfältchen, so als würde ihm jemand das Gesicht zerknittern. Seine Hände sind so groß wie Bratpfannen. Sein Opa war mal früher Koch, vielleicht hat der ihm das vererbt. Aber niemand weiß es, weil der Opa eines Tages einfach verschwunden war. Man hatte ihn lang auf dem ganzen Planeten gesucht, vergebens! Allerdings nur den Teil vor der Mauer! Nicht "das dunkle Reich" dahinter.


Man hatte im Vereinigten Staat Gewitterland begonnen, die Republik Sonnenwarm fast umgegraben. Das Hochland Bergjodel wurde bestiegen und im Laustaat jeder Stein umgedreht. Nur über diem Mauer stieg keiner.


Der Suchtrupp war einstimmig der Meinung das man dort nicht zu suchen bräuchte. Niemand, solange man denken konnte, war über die Mauer herübergeklettert und freiwillig würde auch keiner hinübersteigen. Warum das so ist weiß heute niemand mehr, aber es ist so! Der Suchtrupp wurde von Oma Rosalia losgeschickt! Sie hatte eines Tages festgestellt das dass Herdhaus nicht mehr qualmte!
Das Herdhaus sieht wie ein großer viereckiger Kürbis aus in den jemand einen

Mund und Augen reingeschnitzt hat. Morgens füttert man das Haus mit Holz und zündet es an. Das Haus schließt den Mund und kaut. Irgendwann, wenn es laut rülpst ist das ganze Haus warm genug. Dann müssen alle 20 Köche, die jeden Tag hier arbeiten, anfangen alles Essen durch den Mund hineinzuschieben. Wenn alle Töpfe, Pfannen und Schüsseln drin sind schließt das Herdhaus die Augen und lächelt glücklich. Es kann nämlich alle Speisen riechen und schmecken die in ihm gekocht, gebraten oder gebacken werden. Bei Apfelkuchen, Schnitzel und Krapfen sieht es am glücklichsten aus.

Quelle: von Angel Jean de Roosen

 



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