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Prinz Heinrich in Kiautschau

Reisen zu Wasser und zu Lande des Prinz-Admiral in Indien, China, Japan (1898-1900)

Zwanzigster Abschnitt

Wieder in Colombo. Sessenbach. Auf nach Neapel. Die Reise nach Wien. Prinz Heinrich und der Kaiser. Das Wiedersehen in Kiel.

Wieder war der Prinz-Admiral in Kolombo eingetroffen und bereitete sich zur Rückreise nach Deutschland vor. Draußen im Hafen lag der Reichspostdampfer "Preußen" und dieses stattliche Schiff war berufen, den Kaisersohn von Kolombo nach Neapel zu bringen. Prinz Heinrich befand sich noch im Inneren der Insel, um die Wunder Ceylons abermals auf sich einwirken zu lassen. Ein großer Teil seines Gefolges war aber in der Hafenstadt zurückgeblieben und unter diesen auch Borlitz.

Der junge Offizier sollte seinen Admiral bis Kiel zurückbegleiten, dann winkte ihm ein längerer Urlaub, um seine Mutter und seinen Freund Adolf Zappe in Plauen zu besuchen, die sich schon auf das Wiedersehen freuten. Das Photographieren hat der junge Seeoffizier jetzt aufgegeben und beschäftigt sich nur noch mit den ernsten Pflichten des Dienstes, denn viel Fleiß und Streben gehört dazu, um den weiten Weg bis zum Korvettenkapitän zurückzulegen.

Borlitz saß bei unerträglicher Hitze an einem, gegen die Sonne geschützten Tisch, vor der Türe eines eleganten Kaffees der Hafenstadt und wartete mit Ungeduld auf das Eintreffen eines Herrn, der ihm sein Erscheinen bestimmt zugesagt hatte.

Da endlich kam ein Viererzug die Straße heraufgefahren und im Fond des Wagens saß ein etwas bleicher, ganz in Weiß gekleideter junger Mann. Der Wagen hielt vor dem Kaffee und der junge Herr stieg, von zwei Dienern unterstützt, aus dem Gefährt. — Das war Leutnant von Sessenbach! —

Wie der Blitz war Borlitz aufgesprungen und eilte schnell dem teueren Offizier entgegen, der auf Krücken gestützt, sich nur langsam fortbewegen konnte.
"Leutnant Sessenbach, ist es denn möglich?" stammelt Borlitz und dabei wurden ihm die Augen feucht.
"Nicht wahr Borlitz," versetzte dieser mit einem herben Lächeln um die Lippen, "das hatten wir damals nicht vorausgesehen? Die Bestie hat mich schrecklich zugerichtet! — Binnen Jahresfrist hoffe ich aber wieder ohne Stock gehen zu können und dann will ich mich versöhnen mit meinem Geschick. Vor dem Feind zum Invaliden werden, das ist eine Ehre, aber von einer solchen Wildkatze zerrissen zu werden, das ist hart."

Sessenbach setzte sich zu dem Freund an den Tisch und bestellte Eiskaffee, den ihm seine Malaien auftrugen.
"Und wie geht es Ihrem Onkel?" forschte Borlitz.

"Sie wissen noch nicht, daß er tot ist? — Vierzehn Tage später, nachdem die "Deutschland" damals den Hafen verlassen, ging der alte Herr hinüber in die bessere Welt, mir sein ganzes Vermögen, im Wert von über zehn Millionen als Schmerzensgeld hinterlassend. Diese Tatsache versöhnt mich einigermaßen mit meinem Geschick, trotzdem ich mich tausendmal glücklicher fühlen würde, wenn ich, wie Sie, Borlitz, an Bord meines Kreuzers die Meere durchfahren und meinem Vaterlande nützlich sein könnte. Damit ist es nun für alle Zeiten vorbei!"
"Sie bleiben also immer hier auf der Insel?"
Sesselbach schüttelte den Kopf.
"Wenn meine Gesundheit weiter vorgeschritten und ich meine Verhältnisse hier geordnet habe, was nicht so leicht ist, dann gehe ich nach Deutschland zurück. Natürlich treffen wir uns dort und ich hoffe noch so manche schönen Tage mit Ihnen zu verleben."

Ein paar Stunden hindurch plauderten die Freunde über die Erlebnisse der denkwürdigen Reise des Prinzen Heinrich, dann schlug bei anbrechender Nacht die Stunde der Trennung. Das im Hafen zurückgebliebene Gefolge des Prinzen war bereits an Bord der "Preußen" gegangen, und Borlitz mußte sich beeilen, um noch mit dem letzten Boot mitzukommen.

Gegen Mitternacht sollte Prinz Heinrich eintreffen und dann ging der Reichspostdampfer sofort in See.

Als Borlitz dem Kamerad zum letzten Mal die Hand reichte, um ihm sein "Auf Wiedersehen" zuzurufen, führte dieser ihn an den Wagen und holte ein gegerbtes, mit roten Bandlitzen hübsch umsäumtes schwarzes Fell hervor.
"Hier, mein teurer von Borlitz, das habe ich Ihnen zugedacht."
"Das Fell des schwarzen Panthers!" rief der junge Offizier überrascht.

"Ja mein Freund, das ist das Fell des schwarzen Panthers. Nehmen Sie die Haut mit nach der Heimat, ich mag sie nicht mehr sehen. Wäre ich mit ihnen an jenem Abend an Bord zurückgegangen, dann würde ich heute vielleicht ärmer, aber glücklicher sein."

Borlitz nahm dankbar das Fell, dann erfolgte unter dem Versprechen, sich nun recht oft gegenseitig zu schreiben und später in Deutschland glücklich wiederzusehen, ein herzlicher Abschied.

Borlitz begab sich an Bord, und wohl noch eine volle Stunde fuhr Sessenbach mit seinem fürstlichen Wagen am Quai auf und ab.

Um Mitternacht langte Prinz Heinrich frohgemut mit seinem Adjutanten an Bord der "Preußen" an, sofort wurden die Anker gelichtet und mit Volldampf ging das schöne Schiff in See, der Heimat zu.

Wie ein Jubelruf ging es durch alle deutschen Gaue, als der Prinz-Admiral in Neapel gelandet und die Nachricht davon durch den Draht verbreitet war. Das Dampfroß trug den Kaisersohn nach Wien und dort wurde er vom Kaiser von Österreich mit großer Herzlichkeit empfangen. Dann erst betrat er nach so langer Zeit den deutschen Boden, schlicht und bescheiden, wie ein echter Hohenzoller. Kaiser Wilhelm empfing den geliebten Bruder mit offenen Armen und sagte ihm im Namen des deutschen Volkes seinen Dank.

Die "Deutschland" kehrte erst viele Monate später mit der Besatzung, welche die Ehre gehabt, den Prinz-Admiral in unsere neue Kolonie zu begleiten, in die Heimat zurück, von der gesamten Bevölkerung jubelnd begrüßt. Zur Erinnerung an die gemeinsame Reise versammelte der Kaiser nach der Besichtigung des Schiffes die ganze Besatzung um sich, und neben seinem teueren Bruder stehend, ließ er ein Gruppenbild aufnehmen, das jedem der Offiziere und Mannschaften ein wertvolles Andenken bleiben wird.

Nun lebt der Prinz-Admiral wieder in Kiel, den Seinen zurückgegeben. Was er aber gesät dort draußen im fernen Osten, das wird aufgehen und Früchte tragen zu Deutschlands Heil und Deutschlands Größe.

 

Quelle: Prinz Heinrich in Kiautschau, Conr. Fischer-Sallstein, Globus Verlag, von rado jadu 2000

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