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Prinz Heinrich in Kiautschau

Reisen zu Wasser und zu Lande des Prinz-Admiral in Indien, China, Japan (1898-1900)

Dritter Abschnitt

Von Port Said nach Suez. Die Sonnenglut im Roten Meer. Borlitz als Taucher. Die Tiger des Meeres. Gang an Land.

Während die zudringlichen arabischen Händler, die alle nur denkbaren Dinge feilboten, die deutschen Kriegsschiffe mit ihren kleinen, schmutzigen Booten umschwärmten und mit ihrem Handeln und Feilschen einen wahren Höllelärm verursachten, promenierte der Prinz in der Stadt Port Said.
Seine königliche Hoheit gewahrte gar bald, daß außer der stolzen Häuserreihe am Quaiufer die Stadt kaum noch einige imponierende Gebäude aufwies. Die wenigen sehenswerten Bauten im europäischen Viertel waren bald in Augenschein genommen. Unter diesen beansprucht besondere Beachtung das frühere Hotel des Pays-Bas, das jetzt der englischen Gendarmerie als Kaserne dient. Dieser Prachtbau ist ganz im orientalischen Stile gehalten und zählt zu den ersten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Eine Strecke hinter dem Quaiufer beginnen die krummen Geschäftsstraßen, in denen man bereits im sonnendurchglühten Wüstensand dahin schreitet. Die Häuser sind hier zumeist aus Holz, alten Schiffsplanken, und regellosem Steinwerk aufgeführt. In jedem dieser bedenklichen Häuser befindet sich ein Laden, in welchem alle denkbaren Dinge mit echt orientalischer Geschäftigkeit feilgehalten und angepriesen werden. Hier herrscht ein lebhafter Verkehr. Das laufende Publikum rekrutiert sich aus Matrosen der im Hafen liegenden Schiffe, und auf diese wird auch ganz besondrs von der dortigen Handelswelt Jagd gemacht.
Das bedenkliche Araberviertel mit seinen Lwhmhütten, seinen dunklen Restaurants und kleinen Spielhöllen, die man ganz gut Räuberhöhlen nennen kann, betrat Prinz Heinrich mit seinem Gefolge nicht, sondern widmete diesem düsteren Stadtteile nur einen Blick aus respektabler Ferne.
Bald kam auch er zur Erkenntnis, daß Port Said eine Stadt ist, in der man nur so lange aufhält, als es eben notwendig ist. Unter den mehr als 20 000 Einwohnern befinden sich so viele fragwürdige Existenzen aus aller Herren Länder, daß schon aus diesem Grunde ein längerer Aufenthalt in dieser Stadt nicht empfehlenswert ist.
Nach einer kurzen Wanderung kehrte denn auch Prinz Heinrich von Preußen wieder an Bord der "Deutschland" zurück. Am folgenden Morgen schon trat der Kreuzer die Reise durch den berühmten Suezkanal an.

Der mächtige Kanal, dessen Sohle jetzt auf eine Breite von 37 Meter gebracht worden ist, bietet von Anfang mit seinen aufgeschütteten Sandufern ein ödes, trostloses Bild.
Von Deck aus kann man weit hinein in das graue Wüstenland blicken, welches tiefer wie der Kanalselbst zu liegen scheint. Dann und wann sah man ganze Reihen von bepackten Kameelen mit ihren Treibern aus der gelbgrauen Ferne gegen den Kanal oder in der Richtung nach Ismailia dahin ziehen. Ungeheure bagger und Pumpmaschinen sind Tag und Nacht neschäftigt, die immer wieder drohenden Versandung des Riesenkanals zu verhindern.
Erst in der Nähe von Ismailia, der ersten Station, begann sich das Ufer auf der rechten Seite mit üppigen Grün zu bedecken. Schlanke Palmen erheben sich in die heiße Luft, und dann und wann sah man sogar einen Araber mit der langen Flinte im Arm den so beliebten Wachteln nachstreichen.
Die Reise durch den eintönigen Kanal wirkte zuletzt ermüdend. Die unerträgliche Hitze machte den Aufenthalt auf Deck oft unmöglich, und es ist begreiflich, daß alles an Bord froh war, als manendlich Suez erreichte.
Der Prinz hatte die Absicht geäußert, in Suez nochmals an Land zu gehen, um sich diesen Ort anzusehen, der erst durch die Kriege im Sudan eine besondere Bedeutung gewonnen, aber nun gab er diese Absicht auf, und mit Volldampf voraus gingen die "Deutschland" mit der "Gefion" in see.
Bald verschwanden die Wahrzeichen von Suez, die Felsen des kahlen Akabagebirges am Horizont, dafür kamen die eigentümlich gezackten Berge der Sinaihalbinsel in Sicht, von welchen sich die zwei höchsten um die Ehre streiten, der Verkündungsort der zehn gebote zu sein.
Der Kreuzer befand sich bereits auf dem roten Meer. Eine unerträgliche Gluthitze machte sich bemerkbar. Trotzdem wich der Prinz nicht von Deck und verschmähte es sogar, unter eine schützende Zeltdecke zu treten. Ihn interessierte besonders das westliche Ufer des roten Meeres mit seinen wildromantischen Gebirgszügen, den rostbraunen, gezackten und wild durcheinander gewürfelten Felsmassen.
Die Fahrt durch das rote Meer war in früheren Zeiten mit unendlichen Schwierigkeiten und Gefahren verknüpft. Die heimtückischen Riffe im Korallengebiet, die immer wechselnden, sehr gefürchteten Strömungen haben schon so manches stolze Fahrzeug mit Mann und Maus verschlungen. Jetzt hat man genaue Karten, die es dem Steuermann ermöglichen, ziemlich sicher durch das gefährliche Korallengebiet des roten Meeres hindurch zu steuern; an allen wichtigen punkten der Fahrstraße brennen als Warnungssignale Leuchtfeuer, aber trotzdem bleibt für die Schiffahrt noch immer Gafahr genug.

So sah man von Deck der "Deutschland" aus, als diese sich dem südlichen Ende des Golfes von Suez näherten, in der sogenannten Jubalstraße drei gestrandete Dampfer liegen. Ein Memento mori für den braven Seemann, dessen Herz bei einem solchen Anblick immer wehmütig gestimmt wird.
Der erste Teil der Fahrt durchs rote Meer ging glatt von statten. Die "Gefion" dampfte wieder der "Deutschland" voran und bahnte ihr gleichsam den Weg. Nun aber setzte eine unerträgliche hitze ein. Man hatte 70 Grad Celsius in der Sonne auf Deck, 36 Grad im Schatten. Unter Deck in den Kabinen herrschte eine Hitze von 34 Grad. Wie es aber dort unten in den Machinenräumen aussah, wo die Heizer ihr schweres Tagewrk vollbringen mußten, daran wagte man nicht zu denken, denn es giebt keine Mittel, der arme Kohlentrimmer Not zu lindern.
Auf dem Wasser lag ein schwefelgelber Duft, der das Atmen erschwerte. Es war, als ob Himmel und Erde jeden Augenblick in Flammen aufgehen wollten. Unter den Mannschaften an Bord verspürte man Neigung, sich alle Kleider zu entledigen und thatsächlich begegnete man einem englischen Dampfer, auf dem die Matrosen ohne jegliche Bekleidung umhergingen.
Die Douchebäder gewährten keine Erquickung mehr, denn das Seewasser besaß eine Wärme von rund 32 Grad. Trotzdem war alles wohl an Bord. Die strengen ärztlichen Verordnungen, die eine vernünftige Lebensweise vorschrieben, wirkten wie ein Wunder.
Gegen diese Not giebt es nur ein Mittel, es lautet: Volldampf voraus! Mit verdoppelter Kraft arbeitete die Schiffsschraube, damit die "Deutschland" so rasch wie möglich dieser Hölle entfliehen konnte.
Mitten im Sonnenbrand lag ein junger Mann, der sich nur ein Stück Tuch zum Schutze gegen die stechenden Sonnestrahlen über den Kopf geworfen und las in einem Buch. Dieser eifrige Leser, der von der schrecklichen Hitze nichts zu spüren schien, war Borlitz, der Kadett. Zuerst wurde er von einigen Offizieren bemerkt und von diesen erfuhr es zuletzt Prinz Heinrich, der sich in seiner Kajüte befand. Da der Chef nun einmal für den jungen Borlitz ein reges Interesse hatte, so bemühte sich der Prinz auf Deck suchte den Kadett auf.
"Wie können Sie sich denn hier in diesen Sonnenbrand legen", rief Prinz Heinrich dem erschreckten Borlitz zu, "Sie gehen ja zu Grunde!"
"Zu heiß ist es mir nicht, Königliche Hoheit", gab dieser zurück und stellte sich, das Buch in der Hand, in Positur.
"Was ist das füer ein Buch?"
"Meyers Reisen nach den Nordpol."
Unwillkürlich begann der Prinz laut aufzulachen und griff nach dem Buch.
"In der That, das ist eine köstliche Idee, sich hier im Glutofen des roten Meeres in ein Buch zu vertiefen, das von ewigen Eis und Schnee zu erzählen weiß. Ein besseres Abkühlungsmittel kann es kaum geben. Geben Sie mir das Buch."

Der Prinz nahm den Kadett und das Buch mit in seine Kajüte und vertiefte sich alsbald mit demselben Eifer, wie Borlitz, in die Eisregionen des Nordpols.
In der nähe von Jebel Teir trat eine vollständige Windstille ein und die Hitze wurde noch größer. Im Heizraum der "Deutschland" herrschten jetzt 62 Grad. Ein Heizer brach ohnmächtig vor der Feuerung zusammen. Man reichte nun den Leuten abgekochten Thee und Cognac, und so war es möglich, die Arbeiter so weit bei Kräften zu erhalten, daß sie ihren schweren Dienst thun konnten.
Endlich näherte sich die "Deutschland" der Straße von Bab el Mandeb. Die Hitze begann jetzt nachzulassen. Die Temperatur des Seewassers sank alsbald auf 24 Grad, und alles an Bord begann aufzuatmen. Eine erfrischende Seebrise erhob sich und strich über Bord und in der Ferne zeigten sich hin und wieder einige Seevögel.
Bald war die wildromantische Südspitze Arabiens mit ihren schieferglänzenden Lavabergen passiert und zum erstenmal sank jetzt in der Nacht die Temperatur auf 25 Grad. Nun stellte sich Schlaf wieder ein unter der Besatzung machte sich die Arbeitsluft und der Frohsinn geltend.
Die Stadt Aden kam eines Morgens in Sicht. Schon aus der Ferne konnte man den Sham Saham, den länst ausgebrannten Vulkan sich erheben sehen. Dieser Berg, der die Halbinsel bildet, auf der Aden liegt, bietet besonders in den Morgen - und Abendstunden einen wunderbaren Anblick. Die zackigen, zerissenen Felswänden, auf denen dann und wann sogar ein Flaum von weichem Grün liegt, heben sich in der seltsamsten, fast unbegreiflichen Beleuchtung der Morgensonne scharf von einander ab. Es blitzt, leuchtet und glänzt, als seien die starren Felsen von einer inneren Glut erhitzt. Über diesem Bilde, das immer wieder entzückt, und von dem man das Auge nicht abwenden kann, wölbt sich ein tiefblauer Morgenhimmel und über den glühenden Felsengestalten schwebt ein rötlicher Hauch, wie ein goldiger Schleier.
Die "Deutschland" lief nun in den Hafen von Aden ein. In der reinen Luft hoben sich die grellweißen Häuser der Vorstadt in scharf gezeichneten Linien ab. Der Hafen war mit Schiffen aller Nationen förmlich überfüllt. Das hat seinen guten Grund, denn in Aden müssen alle Dampfer, die hier vor Anker liegen, oder am Ufer vertaut sind, die zur Weiterfahrt so notwendigen Kohlen einnehmen.

Kaum war die "Deutschland" in den Hafen eingelaufen, um den ihr bestimmten Landungsplatz einzunehmen, als auch schon jene kleinen, winzigen Kanoes sichtbar wurden, durch die Aden bereits eine eigene Berühmtheit erlangt hat. Diese kleinen Boote, gerade groß genug, um einen der Somalijungen zu tragen, näherten sich zu Dutzenden, wobei ein Kanoe bestrebt war, das andere zu überholen, dem Kriegsschiff. Sie umschwärmten den Kreuzer mit dem gellenden, durchdringenden Ruf. "I'll dive, I'll dive!" ( Ich will tauchen, ich will tauchen.)
Adjutant Kapitän Müller, der neben dem Prinzen Heinrich von der Kommandobrücke aus mit lebhaftem Interesse den kleinen schwarzbraunen Somalijungen zusah, klärte seinen königlichen Gebieter über die Bedeutung des Ausrufes der flinken Burschen auf. Sofort nahm dieser ein Silberstück und warf es über Bord ins Wasser.
Nun begann da unten ein seltsame Taucherjagd. Die Schwarzen sprangen aus ihren kleinen Booten ins Wasser und tauchten, sich dort unter einander selbst bekämpfend, nach dem Geldstück. Da das Seewasser hier so klar und durchsichtig war, daß man bis auf den Grund des Meeres sehen konnte, so war es möglich, die zappelnde, schwarzbraune Schaar dort tief unten ganz gut zu beobachten.
Aber einer nach dem anderen kam zurück, ohne die Beute erlangt zu haben. Klagend reckten sie die Köpfe mit dem krausen Wollhaar und blickten flehendzu den Offizieren hinauf. Als aber auch der letzte Somalijunge aus dem Wasser auftauchte, ohne das Geldstück zu besitzen, sagte Prinz Heinrich zu den Herren seiner Umgebung: "Es ist schade, daß die Burschen das Geldstück nicht gefunden haben, es war ein neues Fünfmarkstück."
"Die Münze war zu schwer, Königliche Hoheit, sie vergrub sich zu tief in den Sand."
"Ich hole sie, Königliche Hoheit," ließ sich jetzt eine helle Stimme hinter dem Prinzen vernehmen und im nächsten Moment schon stürmte Kadett Borlitz fort, schwang sich über die Brüstung - Reeling genannt- und sprang kopfüber ins Wasser.
"Wenn Borlitz so weiter macht," rief Kapitän Müller erregt aus, "dann bringen wir ihn nicht mehr glücklich in die Heimat zurück!"
Prinz Heinrich aber freute sich über den Mut und die Entschlossenheit des Borlitz, um so mehr, als er eigentlich keine ernste Gefahr für ihn erblickten konnte. Dieser war bereits unter dem Wasser verschwunden und ganz deutlich konnte man sehen, wie er auf dem silberhellen Grund des Meeres nach dem Geldstück suchte. Einige Momente schauten die Somalijungen dem kühnen Taucher voll erstaunen zu, denn das war ihnen noch von keinem Europäer geboten worden, dann aber regte sich bei ihnen die Beutelust und wie toll geworden, tauchten sie dem Kadett nach.

Aber sie kamen zu spät. Borlitz hatte bereits das Geldstück gefunden, es zwischen die Lippen genommen und kam nun wieder an die Oberfläche.
Bald schwamm er wie ein Sieger unter den Schwarzen umher, die bittend und jammernd die Hände nach dem Geldstück ausstreckten. Von Bord wurde jetzt ein dickes Tau an der Schiffswand herabgelassen. Mit beiden Händen erfaßte der Kadett dasselbe und gelangte so wieder an Bord.
In der nächsten Minute trat Borlitz vor den Prinzen und reichte ihm die Münze. Gnädig lächelnd blickte dieser ihn eine Weile an.
"Sie haben mireigentlich versprochen, keine Unbesonnenheit mehr zu begehen, Borlitz, aber Sie sind ein so tüchtiger Schwimmer und haben so brav getaucht, daß ich geneigt bin, Gnade für Recht ergehen zu lassen. Behalten Sie das Geldstück zum Andenken an den Hafen von Aden."
Die jubelnde Freude brach dem Kadett jetzt aus den blauen Augen. Er dankte und verschwand alsbald mit seinem Geschenk unter Deck.
Damit nun aber auch die Somalijungen da unten auf ihren Kanoes eine Freude hatten, warf der Prinz und mit ihm einige Offiziere eine ganze Reihe Geldstücke ins Wasser und jetzt begann da ein Tauchen, Suchen und Haschen, daß es eine Lust war.
Man weiß in der That nicht, was man mehr bewundern soll, die Gewandtheit und die scharfen Augen, oder die Lunge der oft kaum sechs Jahre alten Kerle, mit der sie so lange den Atem halten können.

Trotzdem noch einige Münzen auf dem Grunde lagen, die man von oben sehen konnte, gab die ganze Gesellschaft auf einmal das Tauchen auf und rettete sich auf die Kanoes. Befremdend sah Prinz Heinrich dem Treiben zu und blickte fragend zuletzt seinen Adjutanten an.
Auch dieser wußte keine Erklärung für das Verhalten der Tauchergesellschaft. Wie Spreu im Winde stoben sie mit ihren Booten auseinander, dem Quai entgegen. Aber bald sollte sich das Rätsel lösen. Ein Riesiger Haifisch zeigte sich jetzt mit seinem gierigen Gebiß da unten an der Schiffswand. Das Ungeheuer schoß beutelustig mit dem gewaltigen Schwanz das Wasser schlagend, hinter den kleinen Tauchern drein.
"Man rufe Kadett Borlitz," befahl der Prinz und schon in der nächsten Minute stand unser junger Freund an der Brüstung vor dem Prinzen. Dieser deutete auf den Hai, der sich jetzt wieder dem Schiff näherte.
"Sehen Sie das Raubtier dort, mein Sohn?"
"Jawohl, Königliche Hoheit!"
"Dann werden Sie jetzt auch die Gefahr erkennen, in der Sie vorhin geschwebt. Sollten Sie wieder einmal einentollen Sprung ins Meer wagen, dann haben Sie auf eine bittere Strafe zu rechnen!"
Mit diesen ernsten Verwarnung war Borlitz entlassen und tief in seinem Herzen nahm er sich vor, nie wieder über Bord zu springen.
Die "Deutschland" ging im Hafen vor Anker, während die "Gefion" am Quai einen Landungsplatz fand. Das bestimmte den Prinzen mit seinem Gefolge für kurze Zeit auf die "Gefion" überzusiedeln. Der Aufenthalt mußte auf einige Tage bemessen werden, denn es sollten Kohlen eingenommen und die Vorräte an Fleisch und Gemüsearten ergänzt werden.
Der Prinz ging am Nachmittag mit seinem Gefolge an Land und auf seinen Befehl wurde auch eine große Anzahl Mannschaften beurlaubt um sich zu erholen.
Auf besonderen Wunsch des königlichen Chefs wurde dem Kadett Borlitz die Ehre zu teil, sich dem Gefolge bei dem Gang an Land anschließen zu dürfen. Mit stolzer Freude folgte er diesem Befehl und nahm sich dabei hoch und heilig vor, nichts zu thun, was das Mißfallen des Prinzen auch nur im geringsten erregen könnte.

Seine Beschreibung des Schiffes war ja längst fertig, aber er wagte es nicht, diese in ein Couvert zu stecken und wegzuschicken, wozu in Aden sich ja die beste Gelegenheit fand, weil Prinz Heinrich die Arbeit sehen wollte. Bescheiden sich im Hintergrund haltend, betrat er mit dem vornehmen Gefolge des Chefs die Hafenstadt Steamerpoint, die eine weite Strecke von dem eigentlichen Aden entfernt liegt. Von hier aus kann man auf der staubigen, schlecht erhaltenen Landstraße nach Aden hinein gelangen, falls man es nicht vorzieht die bequeme Eisenbahn zu benutzen.
Die halbmondförmige Quaifront ist mit hübschen, im indischen Stile erbauten größeren Häusern geschmückt, die einen recht freundlichen Eindruck machen. Ein buntes Völkergemisch von Somalis, Arabern, Indern und Paris umringten den Prinzen und sein Gefolge, als diese kaum an Land gegangen waren, um ihre Dienste und ihre Waren anzubieten. Die Leute werden oft so aufdringlich, daß man fast mit Gewalt sich ihrer entledigen muß. Dabei strömten alle diese Menschen einen abscheulischen Geruch aus, den ein Europäer kaum ertragen kann.
Zum Glück begleiteten eine Anzahl kräftiger, deutscher Matrosen das Gefolge und diese verstanden es vortrefflich, die schwarzbraune Schar der Zudringlichen fern zu halten.
Die Wanderung führte an ungeheuren Kohlenlagern vorbei, an mächtigen Eismaschinen und Wasserdestillationen vorüber, und dann ging es landeinwärts. Bald erreichte man Maala, die Stadt für die Küstenfahrer. In diesen Ort, mit seinen wirr durcheinander gewürfelten Lehmhütten, ist die europäische Kultur noch nicht gedrungen.

Nach einigen Zeit kam eine Zugbrücke in Sicht und durch ein massives Festungsthor gelangte man in den Rayon der nach der Landseite hin besonders befestigten Stadt Aden.
Inder von ungewöhnlicher Größe hielten am Festungsthor die Wache und Borlitz konnte sich kaum satt sehen an den langen und doch so sanft blickenden Männern.
Es ging dann wieder bergab in einen öden, von Felsblöcken übersäeten Thalkessel hinein, der von einem ausgeglühten Krater des Vulkans gebildet wird. Bals darauf erblickte Borlitz die Stadt Aden. Welch ein trostloser Anblick! Die weißen Häuser in den kerzengeraden Straßen liegen da in der Sonnenglut gebadet, und nicht ein grüner Strauch mildert das grelle Hell, in das man nicht lange hinein sehen kann, ohne daß die Augen schmerzen. Auf einem Felsblock thront die katholische Kirche und kreisförmig um diese befinden sich eine Unmasse armseliger Baracken. Ringsumher erheben sich starre, schwarze Lavafelsen, die das Bild nur noch trostloser erscheinen lassen.
Jetzt machte Prinz Heinrich Halt, er schien keine Lust mehr zu haben, die Promenade fortzusetzen.

 

Quelle: Prinz Heinrich in Kiautschau, Conr. Fischer-Sallstein, Globus Verlag, von rado Jadu 2000

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