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Die erste Endeckung Amerikas

Die Segel konnten den Stürmen nicht standhalten. Sie wurden gerefft, und die Männer mußten rudern. Ihr Anführer Erik der Rote mit dem wallenden Bart war darauf angewiesen, neues Land zu finden. Im Streit um Weideflächen hatte er auf Island zwei Nachbarn erschlagen, und deshalb wollten ihn die anderen Wikinger auf der großen Insel nicht länger dulden. Daher diese Fahrt ins Ungewisse, dieser Kampf gegen die Wogen des Nördlichen Eismeers. Viele Tage auf hoher See, viele Nächte in tödlicher Gefahr. Die zwanzig Nordmänner auf ihrem Drachenschiff hatten kaum noch die Kraft, ihre langen Ruder zu bewegen, als eine Kette glitzernder Berge am Horizont erschien.

Ein trostloses, völlig mit Eis bedecktes Land. aber der Rote Erik war nicht so leicht u erschrecken. In jede Bucht steuerte sein Schiff hinein, und er ließ den erschöpften Männern keine Ruhe. Tatsächlich blieb der Erfolg nicht aus, denn eines Tages entdeckten sie am Ende tiefeingeschnittener Fjorde schönes Wiesenland und schneefreien Boden.

"Grönland soll es heißen", bestimmte Erik, "weil sich grünes Gras am Fuß der Eisfelder ausbreitet."

Allein schon dieser Name war eine Verlockung für landhungrige Leute, sich dort niederzulassen. Damit hatte Erik auch gerechnet, als er sich nach drei Jahren wieder nach Island wagte, um seine Frau und die Kinder zu holen. Viele Einwanderer aus Norwegen hatten den Zeitpunkt verpaßt, an dem jder noch von den guten Weideflächen Islands in Besit nehmen konnte, was er für seine Rinder und Schafe brauchte. So segelte nun eine ganze Flotte von Drachenschiffen in das gelobte "Grünland". Alles nahmen diese Leute mit, Vieh und Werkzeug, Hausrat und natürlich ihre Frauen und Kinder. Bald lebten an den grünen Fjorden hundert Familien.

Aber es gab keine Wälder in Grönland, und so mußte man sich immer das notwendige Holz im Tauschhandel aus Norwegen beschaffen.

"Dreimal habe ich Land im Westen gesehen, ein gutes Land mit Wäldern und Wiesen", erzählte Bjarni Herjulfson, als er nach langer Irrfahrt wieder den Weg zu den Wikingern in grönland gefunden hatte. Doch er war nur Händler, der Holz von Norwegen brachte. Aus Angst vor Gespenstern und wilden Menschen hatte er nicht gewagt, an der fremden Küste zu landen. Die rauhen nordmänner lachten ihn aus. Nur Erik der Rote lachte nicht.

"Wälder sollen dort sein", fragte er den ängstlichen Bjarni, "das wäre ja gerade, was wir brauchen. Wo liegt das land? Wir müssen es finden!"

Aber der Rote erik war zu alt. Deshalb bestimmte er seinen Sohn Leif Erikson für das gewagte Abenteuer. Gleich meldeten sich noch zwanzig mutige Männer, um ihn zu begleiten. Die Wikinger fürchteten sich vor nichts. Eine Fahrt in unbekannte Ferne war ganz nach ihrem Geschmack. Es störte sie nicht, daß Bjarni nur so ungefähr die Richtung angeben konnte. Sie würden das Waldland schon finden.

Wann die kühne Reise begann, läßt sich nicht mehr feststellen. Es muß so etwa um das Jahr 1000 nach Christi gewesen sein. Die Drachenschiffe der Nordmänner besaßen keine Kajüte, nur eine Plane schützte die Fracht und die Menschen vor prasselndem Regen. Aber die Schiffe waren stark gebaut und widerstanden stärksten Stürmen. Einen sicheren Hafen brauchten sie nicht, denn mit vereinten Kräften konnte man die Schiffe an den Strand ziehen.

Mit gewölbtem Segel glitt Leif über die grauen wogen, glitzernde Eisberge trieben vorbei, felsige Inseln tauchten auf und schnnebedeckte Gipfel lockten in der Ferne. Nichts konnte die Nordmänner aufhalten. Sie ruderten mit schmerzenden Muskeln, sie kämpften sich durch haushohe Wellen.

Die Enttäuschung war groß, als sie nach wochen nur eine flache, felsige Küste entdeckten. Aber wenige Tage später sahen sie bewaldetes Land und schließlich eine Bucht, wo es neben dem wald auch grüne Wiesen gab. Leif und seine Freunde blieben dort ein ganzes Jahr, bautem sich Hütten und erkundeten die Gegend auf weite Strecken. "Vinland" schien ein passender Name für das schöne Land zu sein. "Vin" bedeutet Wiese in der altnorwegischen Sprache.

Als Leif in Grönland von seiner Entdeckung berichtete, fuhren bald noch andere Drachenschiffe in das neue Land. Der Grönland-Wikinger Thorfinn Karslfni wollte sich für immer in Vinland niederlassen, dem heutigen Neufundland, das zu Amerika gehört. Er kam mit sechzig Männern, seiner Fru und noch fünf anderen Frauen. Snorri, der Sohn Karlselfnis, war das erste in Amerika geborene weiße Baby.

Eines Tages paddelten mehr als hundert wilde Eingeborene in die Bucht, in der die Wikinger sich niedergelassen hatten. man weiß nicht, ob es Indianer oder Eskimos waren, weil eine genaue Schilderung von diesen Leuten fehlt. es ist in den alten Berichten nur von "Skraelingern" die Rede.

Thorfinn Karlselfni wollte friedliche Verbindungenmit ihnen aufnehmen. schon war man dabei, geschenke auszutauschen, als plötzlich der aus Grönland mitgebrachte Stier heranstürmte. Die ungewohnte Erscheinung dieser Menschen hatte wohl seine Wut entfacht. Er war nicht mehr zu bändigen. Die Skraelinger hatten ein solches Tier noch nie gesehen und glaubten, das Ungeheuer wollte sie verschlingen. alle liefen davon, um ihr Leben zu retten. Sie hielten den Angriff des Bullen für einen Übefall der Fremden.

Kaum hatten sich die Skraelinger von ihrem Schrecken erholt, kamen sie wieder, schossen mit Pfeilen, warfen mit Speeren und versuchten die Hütten anzustecken. da die Nordmänner ihnen an Zahl unterlegen waren, mußten sie nach vielen erbitterten Kämpfen am Ende des zweiten oder dritten Jahres ihre Siedlung wieder aufgeben.

Man weiß, daß während der folgenden 400 Jahre noch viel Fahrten von grönland nach Vinland unternommen wurden, um Holz zu holen. Doch das waren immer nur kurze Besuche.

Erst im Jahr 1963 hat der norwegische Forscher Helge Ingstadt die Reste der alten Siedlung bei Anse-aux Meadows ("Bucht der Wiesen") an der Nordspitze von Neufundland entdeckt. Hiermit wurde der Beweis dafür erbracht, daß schon 500 Jahre vor Kolumbus europäische Seefahrer in amerika gewesen sind. Ich habe die Ausgrabungen an Ort und Stelle selbst gesehen.

Quelle: Expedition ins Abenteuer, Männer erobern die Welt von Hans-Otto Meissner

Das Mittelalter: Von den Arabern über die Germanen und den Hexen zu den Wikingern


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