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Der Harlekin

Alter Harlekin

Der Harlekin, dieser lustige Spaßmacher im buntscheckigen Gewand galt bisher für italienischen Ursprungs, sein eigentlicher Name sollte Arlecchino gewesen sein, der sich in Paris zum Harlequin französiert habe. Freilich gab es keinen Beweis für diese Annahme, deshalb hat neuerdings ein deutscher Forscher Dr. O. Driesen das "kulturgeschichtliche Problem" der Harlekinfrage einer gründlichen, scharfsinnigen Untersuchungen unterzogen, und es scheint richtig festgestellt, daßder spaßhafte Harlekin die letzte Wandlung einer uralten mythischen Figur vorstellt, des wilden Jägers nämlich, der mit seinem Gefolge von gespenstischen Sündern, Gewalttätern und ungetauften Kindern in wilden Sturmnächten durch die Lüfte fuhr und gute Christen erschreckte.

"Herlekin" nannte ihn das Volk und sein Gefolge "Herlekinsleute". Von da bis zum Teufel ist es nicht weit, als solchen betrachteten denn auch die Kirche den ganzen Heidenspuk dieser nächtlichen Luftfahrer, doch konnte sie nicht verhindern, daß die unheimlichen Dämonen, die Herlekinsleute, allmählich in der Volkssage einen freundlicheren Anstrich gewinnen und auch als Gefolge guter Feen in den frühesten altfranzösischen Dichtungen anzutreffen sind.

Dann verwandte sie das mittelalterliche Mysterienspiel als komische Teufel, und sobald mit dem Beginn des 14. Jahrhunderts die weltliche Komödie erscheint, wird der dämonische Bösewicht "Herlekin" zur lustigen, rüpelhaften Figur voll grober Späße und übermütiger Streiche. Aber die häßliche schwarze Teufelsfratz mit dem dicken Wollhaar und den Hörneransätzen auf der Stirn behielt er noch lange bei; die letzten Reste davon zeigt sogar eine ganz moderne Harlekinfigur aus Epinal.

Hampelmann

Der Teufel war also zum Theaterklown geworden, an seinen früheren Beruf mahnten aber immer noch die scheinbar übermenschlichen Behendigkeit im Springen, die rollenden Augen, die ausgestreckte Zunge und die boshafte Schadenfreude über die von ihm Geprellten und mißhandelten. Auch das bekannte bunte Harlekingewand läßt sich stufenweis zurückverfolgen bis zur grauen Trikothülle des Teufels Herlekin.

Dieser wurden einzelne bunte Fetzen wild und wüst aufgeheftet, die den Springenden umflatterten. Allmählich mehrten sich diese Flicken und wurden der grauen Teufelshaut ordentlich aufgenäht, zuletzt als regelmäßige Dreiecke. Die schwarze Teufelsmaske zog sich zur eleganten kleinen Halbmaske zusammen, und in diesem Kostüm übernimmt dann die italienische Komödie den Arlecchino, der bald durch seine improvisierten Späße, Prügelszenen, durch seine lustigen Tänze und Klownkünste zur unentbehrlichen Figur und zum Liebling des Publikums wurde.

Quelle: Die Gartenlaube 1904, von rado jadu 2001

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