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Märchen der FANG aus Kamerun (Westafrika)

Der Eifersüchtige und der Menschenfresser


Mokabe Nsame, ein Mann aus dem Stamm der Fang heiratete eine außergewöhnlich schöne Frau. Alle seine Brüder waren von der neuen Schwägerin fasziniert. In der Folgezeit sah man die Brüder sehr selten bei den Gemeinschaftsaktivitäten. Sie lagen fast immer im Haus von Mokabe herum und bewunderten seine neue Frau.
Bald ging es dem Mann auf die Nerven, und er entschloß sich, mit seiner Schönen an einen anderen Ort zu ziehen. Die Frau, die sich an die Avancen der Brüder gewöhnt hatte, und die ihr sehr schmeichelten, war gegen den Umzug und sprach: "Mein Mann, laß uns lieber hier bleiben. Wenn uns an jenem Ort etwas zustößt, wer soll uns helfen? Hier sind alle deine Verwandten und Brüder, laß uns hier bleiben. Der Mann hielt ihr jedoch vor, nur bleiben zu wollen weil sie mit seinen Brüdern anbändeln wollte. Da willigte sie schließlich ein, und der Umzug fand statt. Tief im Dschungel baute er eine neue Behausung und ging nach deren Fertigstellung auf die Jagd.
Als er so durchs Unterholz schlich bemerkte er einen Menschenfresser, der eine tiefe Grube aushub. Wohl aus Verlegenheit und um etwas zu sagen, sprach Mokabe ihn an: Oho, du kannst aber schöne Gruben ausheben. Wie wärs, - wenn ich sterbe, gräbst du mir dann auch so eine?

Der Menschenfresser, überrascht, so plötzlich angesprochen zu werden, antwortete ärgerlich: Das kannst du haben, wann willst du sterben? Mokabe fühlte sich nun bedrängt und wehrte ab: "Nein, nein nicht jetzt, - vielleicht in zwei Monaten? Der Menschenfresser jedoch war mit dem Vorschlag nicht einverstanden sondern wütend und wild entschlossen, ihn sofort zu töten.Schließlich konnte Mokabe ihn ein wenig beruhigen und damit das Schlimmste (seinen sofortigen Tod) verhindern. Sie einigten sich darauf, daß ihn der Menschenfresser am nächsten Tag holen werde.Total verstört und tieftraurig kehrte der Mann von der Jagd heim. Nachdem die Frau von dem schrecklichen Zwischenfall erfahren hatte fühlte sie sich bestätigt in ihrer Ablehnung, von der schützenden Gemeinschaft fortzugehen um in der Einsamkeit eine Behausung zu beziehen.
Als die Nacht hereinbrach machte sie sich heimlich auf den Weg ins Dorf. Sie alarmierte die Brüder von Mokabe, die bewaffneten sich und machten sich noch in der Nacht auf den Weg zum Haus in der Wildnis.
Noch vor Morgengrauen trafen sie ein und versteckten sich in der Umgebung des Hauses. Sie waren nicht zu früh gekommen, denn bald darauf traf auch der grausame Gast ein und forderte Mokabe auf mit ihm zu kommen, wie es vereinbart war. Der Todgeweihte weigerte sich, da sprach der Menschenfresser: "warte nur, gleich wirst du sterben".

Er ging hinaus und grub vor dem Haus eine Grube für seine Opfer. Während er so grub, kamen die Brüder Mokabes aus ihren Verstecken und umstellten die Grube. Sie überraschten den Menschenfresser beim Graben und fragten ihn nach dem Grund des Tuns. Er antwortete ihnen wahrheitsgemäß, daß Mokabe ihn gestern sehr beleidigt hat indem er forderte, er solle ihm nach seinem Tode eine Grube ausheben, weil er so gut graben könne. Nun komme er, um die Beleidigung zu rächen. Nachdem er ihnen auch zugegeben hat, daß er den Mann heute töten wolle, erschlugen die Brüder den Menschenfresser in seiner Grube. Mokabe Nsame jedoch folgte nun dem Wunsch seiner Frau und den seiner Brüder, wieder zurückzukehren. So luden sie allen Hausrat auf und zogen gemeinsam zurück in das Dorf.

(aus dem Buch von Arnold, Rainer: Der dankbare Affe. Märchen aus Kamerun. Kiepenheuer Verlag Leipzig und Weimar 1990, nacherzählt von stielzchen, by Jadu-Berlin April/2000)

 


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