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Vom lustigen Dschucha, dem marokkanischen Till Eulenspiegel

Wurst wider Wurst

Einmal hat Dschucha ein fettes Lamm. Da besprachen sich die Nachbarn, daß sie ihm ein Streich spielen und das Lamm verzehren wollten. Am nächsten Tage gingen sie zu ihm und sagten: "Dschucha, morgen geht die Welt unter. Gib das Lamm und laß uns einen Braten davon machen."
Dschuda antwortete: "Gut". Sie gingen hin, schlachteten das Lamm, zogen ihm die Haut ab und brieten es. Dann setzten sie sich zusammen nieder und verspeisten den Braten.
Als es verschwunden war, wurde Dschucha stutzig und merkte,daß man sich über ihn lustig gemacht hatte. Am Mittag wurde es sehr heiß; da ging die Gesellschaft fort, um ein Bad zu nehmen und sich abzukühlen. Dschucha wartete, bis alle im Wasser waren.
Dann trug er ihre Kleider zusammen und verbrannte sie. Als die Badenden aus dem Wasser kamen und ihre Kleider anziehen wollten, fanden sie die Asche und sahen, was Dschucha angerichtet hatten.
Da gingen sie zu ihm und sagten: "Dschucha, was hast du uns angetan!"
Dschucha antwortete:"Morgen geht ja doch die Welt unter, was wollt ihr da mit euren Kleidern!"

Der schlaue Dschucha

Eines Tages ging Dschucha zum Müller, um Getreide zu mahlen. Er nahm seinen Sack und begann das Korn, das in den Säcken der anderen war, herauszuholen und in den seinigen zu tun. Der Müller sah es und rief: "Was machst du da, Dschucha?" "Ach," sagte Dschucha, "was bin ich für ein Dummkopf!" Der Müller meinte: "Wenn du dumm wärest, würdest du das Korn aus deinem Sacke nehmen und es in die Säcke der andern tun." Dschucha erwiderte: "Ich bin nur dumm; wenn ich täte, was du sagst, wäre ich zweimal dumm." Der Müller lachte und ließ ihn gehen.

Dschucha und das gekochte Huhn

Eines Tages wurde Dschucha von einem Freunde zum Frühstück eingeladen. Er erhielt ein gekochtes Huhn vorgesetzt. Dschucha verzehrte die Brühe, das Fleisch war so alt und zäh, daß er es nicht essen konnte. Am folgenden Tage wurde die Einladung erneuert. Dschucha verzehrte wieder die Brühe, das Fleisch zu essen war ihm unmöglich.
Da nahm er das Huhn, gab ihm die Richtung nach dem heiligen Mekka und schickte sich an, sein Gebet über das Geflügel zu sprechen.
"Was machst du da, Dschucha?" fragte der Wirt. Er antwortete: "Ich will mein Gebet über das Huhn sprechen; denn dies Fleisch ist ohne Zweifel das eines alten Sünders. Wie ist es sonst möglich, daß es zweimal durchs Feuer gegangen ist, und daß das Feuer ihm nichts hat anhaben können?"

Dschucha und der Braten

Eines Tages kaufte Dschucha drei Pfund Fleisch, brachte sie seiner Frau und trug ihr auf, ein Frühstück davon zu bereiten. Dann ging er aus. Seine Frau briet das Fleisch und verzehrte es mit ihrem Bruder. Als Dschucha wiederkam, fragte er: "Wo ist das Fleisch?"
"Denke dir," fragte die Frau, "als ich mit meiner Wirtschaft beschäftigt war, ist die Katze gekommen und hat das Fleisch gefressen."
Dschucha stand auf, um sie auf die Wage zu setzen. Er stellte fest, daß sie drei Pfund wog. "Du Elende!" fuhr er seine Frau an, "wenn dies das Fleisch ist, wo ist die Katze? Und wenn dies die Katze ist, wo ist das Fleisch?"

Dschucha und der Dieb

Eines Nachts drang ein Dieb in die Wohnung Dschuchas ein, nahm einige Gegenstände seines Hausrats und entfernte sich damit. Gleichzeitig bemerkte es Dschucha. Er stand von seinem Lager auf, nahm einige andere Gegenstände, die sein Eigentum waren, und folgte dem Diebe. Als dieser bemerkte, daß ihm jemand nachging, rief er: "Heda, was willst du von mir?" "Bei Gott," erwiderte Dschucha, "du weißt ja, daß wir morgen in dein Haus einziehen wollen. Es freut mich, daß du uns beim Umzuge helfen willst. Ich bringe ebenfalls so viel von meinem Eigentum, als ich tragen kann. Morgen bei Sonnenaufgang, so Gott will, werde ich mit meiner Frau, mit meinen Kindern und allem, was ich habe, zu dir kommen, um bei dir zu wohnen. Wir freuen uns, daß wir dies elende Loch, in dem wir bisher gewohnt haben, räumen können."
"Nimm, was dir gehört," sagte der Dieb, "und kehre in dein Haus zurück. So viel Sorge will ich nicht auf mich laden." Darauf erhielt Dschucha sein Eigentum zurück.

Dschucha weiß Rat

Dschucha saß am Ufer eines Flusses, als zehn Lahme kamen und ihn baten, sie auf die andere Seite des Flusses zu tragen, da sie nicht die Kraft hätten, der starken Strömung des Flusses standzuhalten. Sie versprachen ihm jeder eine Pesete für das Hinübertragen. "Gut," sagte Dschucha. Er brachte neun von den zehn glücklich hinüber. Als er mit dem letzten in der Mitte des Flusses war, wurde er von der Strömung überwältigt und fortgerissen. Er ließ den Lahmen los und rettete sich selbst. Die andern schrien und fuhren auf ihn ein, ob er ihren Bruder ertrinken lassen wolle.
"Was schreit ihr so?" antwortete Dschucha. "Wir werden schon einig werden. Gebt mir nur neun Peseten und behaltet eine, weil ich doch den Zehnten nicht ganz hinübergebracht habe.

Quelle: Aus "Kolonie und Heimat"/Goldener Humor Verlag von Levy & Müller, 1921, von rado jadu 2000.

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