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"Hei!"jubelte
der kleine Hagen, "Mutter, schau zur Turmspitze! Dort oben steckt
mein Pfeil!" Voll Stolz blickte Frau Ute zum Turm. Über Länder und Meere
flog der Greif dahin, einen Tag und eine Nacht und noch einen halben
Tag, bis er zu seinem Neste kam. Hagen erzählte, daß
er ein Königssohn sei und daß ihn der Greif geraubt habe.
Da hatten sie Mitleid und gaben ihm zu essen: Wurzeln und Beeren. Dann
machten sie ihm ein Bett aus Moos und verbanden seine Wunden. Als Hagen
nach langer Zeit geheilt war, schnitzte er sich Pfeile aus Fischgräten
und Knochen von kleinen Tieren. Er schoß Hasen und Vögel.
Das Fleisch mußten die vier Kinder roh essen. Denn das Feuer hätten
die Greife gesehen. Einmal hauste ein schrecklicher Sturm auf dem Meer. Er zerbrach ein Schiff, wie ein Kind eine Nuß zerdrückt. Alle Menschen auf dem Schiff ertranken. Die Wellen schwemmten einen ertrunkenen Ritter an das Land. Hagen schlich sich ans Meer. Dann nahm er dem Toten das Schwert und den Helm, den Bogen und die Pfeile. Da rauschte es in den Lüften, als wenn der Sturm noch einmal kommen wollte. Der alte Greif kam daher und stürzte sich auf Hagen. Der schoß einen Pfeil um den andern nach dem Riesenvogel. Doch die Pfeile konnten seine Lederhaut nicht verwunden. Sie fielen zu Boden wie Erbsen, die man an ein Eisentor wirft. Da packte Hagen das Schwert und schlug mit aller Kraft auf das Ungeheuer. Er schlug ihn einen Flügel ab und ein Krallenbein. Dann bohrte er ihm das Schwert mitten ins Herz. Aber schon kamen die anderen Greife dahergebraust. Hagen erschlug sie alle, die Alten und die Jungen. Dann rannte er zu den drei Jungfrauen
und rief: "Freut euch! Die Greife sind tot!" Und er erzählte
ihnen, was geschehen war. Da jubelten sie und küßten ihn
auf den Mund. Dann eilten sie aus der Höhle heraus und tanzten
vor Freude herum. Einmal begegnete dem Hagen ein seltsames Tier. Es schaute aus wie eine Eidechse, war aber viele Meter lang. Die Augen glühten wie Kohlen. Und aus dem Maule standen zwei mächtigen Hauzähne. Hagen stieß dem Schuppentier das Schwert in den Rachen. Es war sofort tot. Weil er Durst hatte, trank er von dem roten Blut. Und siehe da! Er spürte, wie er immer mehr Kraft bekam. Voll Freude trug er Blut von dem Tier in die Höhle. Auch die Mädchen tranken. Sie wurden noch schöner und mutiger, als sie schon waren. So ging es den Vieren nicht schlecht. Aber sie bekamen Heimweh. Darum machten sie aus, daß sie nun heimwandern wollten. Zwanzig Tage zogen sie durch den Wald. Als sie aus dem Wald herauskamen, lag blau das Meer da. Weit draußen fuhr ein Schiff. Hagen zündeten ein Holzstoß an. Dann winkte er mit einem Bärenfell. Da schickte der Schiffsherr ein Boot ans Land. Die Bootsleute schrien: "Ahoi, wer seid ihr! Menschen oder Pelztiere?" Hagen schrie zurück: "Wir sind arme Menschen. Nehmt uns mit!" Die Bootsleute nahmen sie auf und ruderten zum Schiff zurück. Der Schiffsherr schenkte den Jungfrauen wunderschöne Kleider und dem Hagen ein Rittergewand. Dann ließ er ihnen eine feine Mahlzeit auftragen. Als sie sich sattgegessen und satt getrunken hatten, fragte er: " Nun sagt mir, woher ihr kommt und wer ihr seid!" Hagen erzählte, wie er die Greife erschlagen hatte. Still hörten die Schiffsleute zu. Dann sagte Hagen."Mein Vater ist König Sigebant und meine Mutter heißt Frau Ute". Da sprang der Schiffsherr auf und rief: "Ahoi! Du erschlägst ja die Greife wie die Fliegen. Aber du bist mir ein glücklicher Fang! Dein Vater hat mir schon viel Schaden angetan. Das sollst du mir büßen! Ahoi, Leute, fesselt den Greifentöter!" Die Schiffsleute stürzten
auf Hagen los. Beim Essen hatte Hagen sein Schwert abgelegt. So konnte
er sich nur mit den Fäusten wehren. Er packte die Schiffsleute
bei den Haaren und warf dreißig ins Meer. Da fürchteten sich
die andern. Hagen sprach: "Bringt uns nun in mein Vaterland! Dann
lohne ich euch mit Gold und Gewand!" Und sie umarmte ihn und auch der Vater weinte vor Freude. Nun war alles wieder gut.
(Quelle: Deutsche Helden aus alten Zeiten. Den Kindern der Grundschule erzählt von Hans Stanglmaier Verlag R. Oldenbourg , München und Berlin, Jadu 2000) |
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