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Als Wieland neun Winter alt
war, sagte sein Vater Wate zu ihm."Du hast helle Augen und bist
ein kluger Bursch. Du sollst ein tüchtiges Handwerk lernen. Ich
will, daß du Schmied wirst". In der Schmiede gab es viel Arbeit. Von weither kamen die Ritter und Bauern. Mime mußte den Rittern Schwerter und Speere schmieden. Die Bauern brauchten Nägel und Hufeisen und Ketten. Mime brauchte immer mehr Lehrbuben und Gesellen. Eines Tages trat auch Jung Siegfried zu Mime in die Lehre. Der war ein starker und wilder Bursch. Einmal schlug er die Lehrbuben und Gesellen windelweich. Auch den Wieland. Es gab oft Streit in der Werkstatt. Als Wate das hörte, holte er seinen Sohn heim. Wieland war nun drei Jahre bei Mime gewesen. Er war ein kunstreicher Schmied geworden. Überall erzählten die Leute von seiner Kunst. So bekam er viel Arbeit. Zwölf Monate blieb Wieland daheim. Eines Tages hörte er von zwei Zwergen, die in einem hohlen Berg wohnten. Das waren die besten Schmiede der ganzen Welt. Sie konnten nicht nur Schwerter, Helme und Messer schmieden. Sie machten auch kunstvolle Reifen und Ringe aus Gold und allerlei Schmuck, wie ihn die Frauen gerne tragen. Es gab nichts, was sie nicht schmieden konnten. Als nun auch Wate von diesen Schmiedekünstlern hörte, fuhr er mit dem dreizehnjährigen Wieland zu ihnen. Am neunten Tag kamen die beiden an ein breites Wasser. Eine Brücke gab es nicht. Und auch kein Schiff war zu sehen. Da setzte der Riese Wate seinen Sohn rittlings auf die Schulter und trag ihn durch das tiefe Wasser. Und weiter ging die Reise. Endlich kamen sie zu den Zwergen. Wate sprach: "Dies ist mein Sohn Wieland. Ich will, daß er bei euch das Schmiedehandwerk noch besser lernt. Dafür will ich euch einen Hut voll Gold geben." Die Zwerge waren gleich dabei. Und Wate sprach noch: "Nach zwölf Monden komme ich wieder und hole ihn." Wieland blieb nun bei den Zwergen in der Schmiede. Er war so klug und geschickt, daß er bald soviel konnte wie seine Lehrmeister. Als nun das Jahr um war, kam Wate, um den Wieland heimzuholen. Aber die Zwerge wollten den tüchtigen Lehrjungen nicht hergeben. Darum sagten sie zu Wate: "Wenn du den Wieland noch zwölf Monde bei uns läßt, dann geben wir dir den Hut voll Gold wieder zurück." Weil aber Wate nicht gleich wollte, fragten sie ihn: "Aber wenn wir ihm doppelt soviel lernen, als er schon kann?" Damit war Wate einverstanden. Aber nun reute die Zwerge das
Gold und voll Falschheit sagten sie zu Wate. "Kommst du nach zwölf
Monden nicht am gleichen Tag wie heute, dann töten wir den Knaben."
Wate dachte sich: Diesen Tag vergesse ich nicht. Ich bin sicher da.
Darum war er auch damit einverstanden. Der junge Schmied ging in den Berg zurück. Der Berg schloß sich hinter ihm zu mit Donnergekrach. Wieland lernte nun bei den Zwergen auch die feinste Schmiedekunst. Er war freundlich zu ihnen und half ihnen, wo er nur konnte. Sie mochten ihn zwar gut leiden. Doch waren sie ihm neidig, weil er bald mehr konnte als sie. Und sie wünschten im stillen, daß der Vater nicht zur rechten Zeit käme. Doch der machte sich auf den Weg, bevor das Jahr vorbei war. Nicht einmal in der Nacht schlief er, damit er ja nicht zu spät komme. So geschah es, daß er drei Tage früher an den Berg kam, als es ausgemacht war. Der Berg war noch verschlossen. Wate war müde von der Fahrt und brauchte Schlaf. So legte er sich hinter dem Berg unter einen Felsen und schlief bald fest und tief ein. Während er schlief, fiel ein Regen wie bei der Sintflut. Und die Erde krachte und zitterte. Der Felsen wurde locker und stürzte hernieder und der halbe Berg rutschte mit und deckte Wate zu. Aber nicht weich und lind wie ein Federbett. Wate wurde gar nicht mehr wach. Er mußte unter der dicken Bettdecke ersticken. Am anderen Tag schlossen die
Zwerge den Berg auf und schauten nach Wate aus. Weil sie ihn nicht sahen,
sagte Wieland: "Ich will ihm entgegengehen." Die Zwerge erlaubten
es ihm. Auf dem Weg kam Wieland ins Tal, wo der Berg abgerutscht war.
Da wurde ihm angst um den Vater. Und er er suchte das Schwert und fand
es auch. Nun dachte er sich: Jetzt fürchte ich mich nicht. Wieland marschierte sechs Tage lang, so schnell ihn seine Beine vorwärts trugen. Da kam er an einen breiten Strom. Das Pferd war so schwer bepackt, daß es nicht schwimmen konnte. Wieland haute im Walde einen großen Baum um und machte ihn fein und glatt. Dann höhlte er den Baum aus. Als er damit fertig war, legte er seine Schätze in den Baum und Speise und Trank dazu. Zuletzt zimmerte er einen Deckel. Und damit er sehen konnte, machte er richtige Fenster aus Glas. Nun ließ er sein Pferd fortlaufen und legte sich in sein Baumschiff. Das Wasser packte den Stamm und trieb ihn fort. Nach achtzehn Tagen blieb das Baumschiff in einem Fischernetz hängen. Als die Fischer den seltsamen Stamm mit den Gucklöchern sahen, liefen sie zu ihren König Nidung und erzählten ihm von ihrem merkwürdigen Fang. König Nidung kam sogleich und befahl: "Haut den Baum auseinander!" Nun schlugen sie die Beile in den Stamm. Wieland merkte das gleich und rief aus dem Stamm heraus: "Ihr Leute, höret auf! In dem Stamm ist ein lebendiger Mensch." Da glaubten sie, der Teufel wäre in dem Stamm und liefen fort wie junge Schafe. Derweil aber hob Wieland den
Deckel in die Höhe und schlüpfte aus dem Stamm. Dann trat
er zu König Nidung und grüßte höflich und erzählte
ihm alles: wer er war, woher er kam und was er gelernt hatte.
(Quelle: Deutsche Helden aus alten Zeiten. Den Kindern der Grundschule erzählt von Hans Stanglmaier Verlag R. Oldenbourg , München und Berlin, Jadu 2000) |
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