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Jung Dietrich und die Riesen

König Dietmar war voll Zorn. In seinem Lande hauste der schreckliche Riese Grim mit seinem Weib. Die beiden erschlugen den Wanderer auf der Straße. Dem Bauer zündeten sie den Hof an und raubten ihm das Vieh. Oft und oft schickte der König seine Ritter aus. Sie sollten den Riesen erschlagen. Aber die Bösewichte ließen sich nicht erwischen. Und ihre Räuberhöhle konnte man nicht finden.

König Dietmar hatte einen Sohn. Der hieß Dietrich. Blond war sein Haar und seine Arme hart und stark wie ein Eichenstamm. Dietrich war noch nicht elf Jahre alt, da ritt er schon auf dem wildesten Roß, durchschwamm den reißenden Bergstrom und stieg mit seinem Speer allein ins Waldgebirge, um Hirsche und Bären zu jagen. Einmal sprach Jung Dietrich zu seinem Vater: "Das wird mir zu dumm, Vater! Ich bin jetzt groß und stark. Ich will die Riesen suchen und erschlagen". König Dietmar sagte: " Du bist ja fast noch ein Knabe. Aber wenn du den Mut hast, dann kämpfe mit den Riesen!"

So zog Jung Dietrich fort. Sein Waffenmeister Hildebrand ritt mit. - Sie waren schon viele Tage geritten. Da kamen sie an eine grüne Waldwiese. Weil sie Hunger hatten, wollten sie sich ein Häslein fangen. Darum ritt Hildebrand links, Jung Dietrich rechts um die Wiese herum. Wie nun Jung Dietrich so dahintrabte, huschte etwas ganz nahe vor ihm über den Weg. Schnell langte er danach und schau! ein Zwerglein zappelte zwischen seinen Fingern. Er setzte das Männlein vor sich auf den Hals des Rosses. Der Zwerg schrie so laut, daß ihn Meister Hildebrand auf der anderen Seite hörte und gleich quer über die Wiese dahersauste. "Holla, he!" rief er Jung Dietrich zu, "halte das Bürschlein fest! Das kennt alle Wege auf und unter der Erde und weiß sicher, wo die Riesen hausen."

Da jammerte der Zwerg noch lauter als zuvor und sagte: "Der Riese Grim hat mir schon viel Böses angetan. Drei Jahre habe ich an dem guten Schwert Nagelring geschmiedet. Auch das hat er mir gestohlen. Ich helfe euch gern."
Jung Dietrich stellte das Zwerglein wieder auf die Erde. Als es auf seinen zwei Füßen stand, sagte es: "Ich könnte euch jetzt leicht entwischen. Aber ich will euch helfen, damit ich dem Riesen nicht mehr fürchten muß. Seid morgen in aller Frühe wieder da, an dem gleichen Platz! Dann übergebe ich euch das Schwert Nagelring. Ich bringe es, selbst wenn der Riese drauf schläft."
So sprach der Zwerg. Dann verschwand er vor den Augen der Männer wie die Maus im Mausloch.

Am anderen Tag in aller Frühe waren Hildebrand und Jung Dietrich am Rand der Waldwiese. Sie warteten schon eine ganze Stunde lang. Jung Dietrich meinte: "Ich glaube, der Zwerg ist falsch und läßt sich nicht mehr sehen". Kaum hatte er das gesagt, da kam auch schon der Zwerg daher. Er schnaufte und schwitzte wie ein Roß. So schwer war das Schwert Nagelring.
Jung Dietrich packte es und schwang es so leicht herum, als ob es ein Haselgertlein wäre. "Hei!" rief der Zwerg, "nun bist du so stark wie zwölf Männer. Auf zum Kampf!"

Der Zwerg setzt sich zu Jung Dietrich auf den Schimmel und zeigte ihnen den Weg durch den wilden Wald. Nach kurzem Ritt waren sie vor einem turmhohen Felsen. Und in dem Felsen war ein haushohes Loch, aus dem sich der Rauch zog. "Da ist die Räuberhöhle", sagte der Zwerg und wieder verschwand er wie die Maus im Loch. Jung Dietrich und Hildebrand banden die Pferde an einen Baum. Dann stiegen sie in die Höhle.
Weit drinnen in der Höhle brannte ein helles Feuer. An dem Feuer hockte der Riese Grim und fraß gerade ein junges Wildschwein. Er hatten Augen so groß wie Suppenteller und einen Kopf so dick wie ein Faß. Wie er die beiden daherkommen sah, sprang er mit einem wilden Fluch auf auf und suchte an der Wand nach seinem Schwert. Doch es war fort.

Da riß der Riese einen brennenden Ast aus dem Feuer und schlug auf Jung Dietrich ein. Aber der wich geschwind aus und gab ihm eins mit dem Nagelring. Laut auf vor Schmerz brüllte der Riese und schlug mit dem Baumast um sich, daß es Funken regnete. Hildebrand wollte seinem jungen Freunde zu Hilfe eilen. Doch da packte ihn jemand von hinten und warf ihn zu Boden. Die Riesin kniete sich wie ein Felsblock auf seine Brust und ihre Finger legten sich wie Beißzangen um seinen Hals.
"Hilf, Dietrich, hilf!" schrie Hildebrand.

Jung Dietrich hört den Hilfeschrei, ergreift den Nagelring mit beiden Händen, zieht mit aller Wucht aus uns schlägt dem Riesen den Schädel in der Mitte auseinander. Dann springt er durch Rauch und Feuer hindurch und gibt der Riesin einen so gewaltigen Schlag auf die Stirne, daß sie tot in das Feuer sinkt.
Meister Hildebrand steht langsam auf. Dabei atmet er tief und schwer. Sodann reicht er seinem Retter die Hand und sagt: "Heil dir, Held Dietrich!"
Jung Dietrich und Hildebrand durchsuchten noch die Höhle. Sie fanden eine Kammer, wo der Riese seine gestohlenen Schätze hatte. Hei! da glitzerten die goldenen Ringe und Ketten! Da funkelten die Edelsteine!
Die beiden nahmen mit, soviel die Pferde tragen konnten. Dann ritten sie wieder heim.
Als sie heimkamen, war das eine Freude! Die Riesen waren tot.

Heil Dietrich!

König Dietmar feierte mit dem ganzen Volk ein Freudenfest. Und man aß und trank drei Tage und drei Nächte lang.

(Quelle: Deutsche Helden aus alten Zeiten. Den Kindern der Grundschule erzählt von Hans Stanglmaier Verlag R. Oldenbourg , München und Berlin, Jadu 2000)



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