Piraten - Die Herren der Sieben Meere Austellung im Übersee-Museum, Bremen
Piraten bei Fliegmalweg : Freibeuter der Weltmeere
Der schwarze Rolf, Sage aus Borkum.
The Pirate's Life - Dead Men Tell No Tales
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Was bedeutet "schanghaien"?
Englische Literatur
Piratenkrieg und Liebe

Bukanier und Flibustier

Als sich die Spanier immer weiter auf dem amerikanischen Kontinent ausbreiteten, verließen sie nach und nach die dem Kontinent vorgelagerten Inseln. Auf Hispaniola ( Haiti ), einer der ersten vin Kolumbus entdeckten Inseln, hatten sie die Einwohnerfast völlig ausgerottet. Die spanischen Eroberer hielten nur noch Stadt und Fort Domingo besetzt. Die riesigen Rinder- und Schweineherden und auch viele Pferde waren verwildert und streiften herrenlos über die weiten Ebenen der Insel.

Es waren französische Piraten aus Dieppe und St. Malo, aus Brest und Bayonne, die sich auf der Fahrtroute der spanischen Silberschiffe niederließen und an der verlassenen Nordküste von Hispaniola eine feste Operationsbasis für ihre Raubzüge errichteten. Gleichzeitig versorgten sie sich auf der Insel mit dem reichlich vorhandenen Fleisch. Dazu blieben einige Besatzungsmitglieder an Land, um das verwilderte Vieh zu jagen. Das Fleisch der erlegten Tiere schnitten sie in Streifen, trockneten und räucherten es auf Rosten über offenem Feuer. Nach diesem geräucherten Fleisch, französisch "boucan" genannt, wurden die Jäger und auch die in diesem Gebiet tätigen Piraten als Bukanier bezeichnet.

Über die Bukanier schrieb der holländische Wundarzt Alexander Olivier Exquemelin, der selbst sechs Jahre unter den Bukanier lebte:

Die auf der Insel Hispaniola ansässigen Franzosen gehen dreierlei Beschäftigung nach: Sie sind entweder Jäger, Pflanzer oder Seeräuber. Wenn ein Knecht aus seinen Diensten entlassen wird ( die Bukanier hielten Knechte, die sie aus französischen Hafenstädten oder von Schiffen nahmen und die drei Jahre dienen mußten, bevor sie indie Gemeinschaft aufgenommen wurden ), sucht er sich einen Gefährten. Sie legen ihre gemeinsame Habe zusammen und setzen eine Schrift auf, worin sie einander gegenseitig zusichern, daß der Überlebende alles bekommen soll, was beide erworben haben. Nachdem ein derartiger Vertrag geschlossen ist, geht der eine auf Kaperfahrt, der andere auf die Jagd oder er pflanzt Tabak, je nachdem, was ein jeder für das beste hält.

Über das Leben der Jäger schrieb Exquemelin:

"Die Bukaniere bleiben ein ganzes Jahr, manchmal auch zwei, im Busch. Danach fahren sie zur Insel Tortuga, um dort ihre Vorräte an Pulver, Blei, Flinten, Leinwand und dergleichen zu ergänzen. Wenn sie angekommen sind, verprassen sie in einem Monat alles, was sie in ein oder zwei Jahren gewonnen haben. Sie trinken den Branntwein wie Wasser, kaufen ein ganzes Faß Wein, schlagen den Zapfen ein und saufen es in kürzester Zeit leer. Tag und Nacht laufen sie im Dorf herum und feiern Gott Bacchus, solange das Geld zum Trinken reicht. Wenn dann alles aufgezehrt und auch ein Teil dazu geborgt ist, gehen sie zurück in den Busch und bleiben darin wieder ein oder zwei Jahre."

Als die Anzahl der Bukaniere auf Hispaniola immer größer wurde - zuletzt waren es über 600 - versuchten die Spanier, sie von der Insel zu vertreiben. Die Jäger wurden wie vordem die Indianer aus dem Hinterhalt erschossen oder gefangengenommen und als Sklaven verkauft. Aber die Bukaniere waren keine Indianer. Mit ihren treffsicheren Gewehren setzten sie sich erfolgreich gegen die spanischen Streifen zur Wehr und vergalten Grausamkeit mit Grausamkeit. Schließlich wurde Genaral von Delmof mit mit 500 Soldaten aus San Domingo gegen die Bukanier entsandt. Doch diese, vorher gewarnt, lockten die Soldaten in einen Hinterhalt und schlugen sie vernichtend. Der General wurde getötet. Nach diesem Fehlschlag gingen die Spanier gegen die Tiere vor. Bald waren die verwilderten Schweine - und Rinderherden ausgerottet, und die Bukaniere sahen sich um ihren Erwerb gebracht. Viele von ihnen blieben deshalb auf Tortuga, und im Jahre 1630 wurde die erste Bukanierkolonie auf der Insel gegründet. Tortuga liegt 12 bis 15 km nördlich von Haiti. Ihren Namen verdankt die etwa 300 Quadratkilometer große Insel einem Berg, der ihr die Gestalt einer riesigen ruhenden Schildkröte ( span. Tortuga ) verleiht. Auf Tortuga gab es ebenfalls große Herden verwilderter Tiere, hauptsächlich Rinder und Schweine, so daß die Bukaniere auch hier ihren Lebensunterhalt fanden. Doch bald setzten auch die Spanier nach Tortuga über und zerstörten die Küstensiedlung der Bukanier. Diese flohen vor dem Angriff der Soldaten in die Wälder und kehrten nach dem Abzug der Spanier wieder an die Küste zurück. Das wiederholte sich einige Jahre lang. Im Jahre 1640 errichtete der Hugenotte Levasseur mit 50 Landsleuten ein befestigtes Fort auf der Insel. Als die Spanier zum gewohnten Jahresbesuch kamen, wurden sie von den Kanonen des Forts beschossen und mehrere ihrer Schiffe versenkt. Erfolglos kehrten die Spanier nach Hispaniola zurück. Levasseur wurde französicher Gouverneur von Tortuga und Vorstand einer Bukaniergemeinde, die rasch den ursprünglichen Charakter einer reinen Männergesellschaft verlor. Von Europa, hauptsächlich aus Frankreich, kamen jetzt mehr und mehr Frauen auf die Insel, die alle innerhalb weniger Wochen geheiratet wurden. Diejenigen Bukanier, die zu Frau und Hausstand gekommen waren, blieben in der Regel fest auf der Insel, während die Junggesellen zur See auf Raubfahrt gingen.

Mit dem Standortwechsel der Bukaniere von Hisponiola nach Tortuga wählten weitere Piraten der Karibik - vor allem Franzosen - Tortuga als Basis. Sie vereinigten sich mit den Bukanierpiraten zu einer Art von Genossenschaft, in der bestimmte Verhaltensregeln galten. Auch bezeichneten sie sich nicht mehr als Brüder der Küste, sondern wurden unter dem Namen Flibustier bekannt. Die enge Verbindung und Arbeitsteilung zwischen den Bukanierjägern und den Freibeutern blieb so wie vordem auf Hispaniola erhalten. Der Ursprung des Namens Flibustier ist nicht eindeutig. Wahrscheinlich leitet er sich aus dem französischen Wort " flibot", das bedeutet leichtes Boot, ab, denn zu Beginn ihrer Tätigkeit benutzten viele Flibustier tatsächlich kleine offne Boote, wenn sie spanische Schiffe in den seichten Küstengewässern der Inseln überfielen. Allerdings besaßen sie auch größere Segler, selbstgebaute oder genommene Fahrzeuge, um den großen spanischen Schiffen auf offener See auflauern zu können.

Die französichen Gouverneure der Insel deckten die Tätigkeit der Flibustier und stellten ihnen im Namen des französichen Königs Kaperbriefe aus. Für die kurze Zeit, in der frankreich nicht mit Spanien Krieg führte, erhielten die Flibustier die Kaperbriefe von England oder Holland. War auch das ausnahmsweise nicht möglich, führten die Flibustier ihren eigenen Krieg gegen den Erbfeind Spanien. Auf die Beschwerde des spanischen Gesandten in Paris über Seeräuberein der Flibustier gab ihm die französische Regierung die Antwort, daß es sich nicht um französische Untertanen handele, und wenn Seine Katholische Majestät der Leute habhaft werde, könne er mit ihnen nach Belieben verfahren.

Exquemelin beschreibt in seinem Buch auch die innere Organisation der Flibustier, die auf einer harten, demokratisch begründeten Disziplin basierte. Wenn ein Anführer ein neues Unternehmen plante, warb er dafür ein Kommando von Flibustier an. Auch Bukanier kamen aus dem Busch, und selbst Indianer ließen sich als Teilnehmer eintragen. Zwischen den Teilnehmern wurde ein Vertrag abgeschlossen, in dem die Verteilung der Beute, die Entschädigung an Verstümmelte und sonst Notwendiges niedergeschrieben und beschworen wurde. Über jede Entscheidung wurde einzeln abgestimmt.

Bei der Entscheidung über die Beuteteilung war es üblich, außerhalb der Anteile bestimmte Summen für den Wundarzt, etwa in Höhe von 200-250 Achterstücken, und für den Zimmermann in Höhe von 100- 150 Achterstücke festzulegen.

Beschlossen wurde ebenfalls die Belohnung für besondere Leistungen, so für den, der als erster das feindliche Schiff enterte und den Jolly Roger ( rote Flagge mit Totenkopf ) hißte, oder der Gefangene machte, die hohes Lösegeld einbrachten. Sie legten auch die Summen fest, die Schwerverwundete erhielten. Für den Verlust des rechten Armes wurden 600 Achterstücke oder 6 Sklaven gezahlt, für den Verlust des linken Armes 500 Achterstücke oder 5 Sklaven. Ebensoviel erhielt ein Verwunderter für den Verlust des rechten Beines, während für das linke Bein 400 Achterstücke oder 4 Sklaven gezahlt wurden. Ein verlorenes Auge wurde mit 100 Achterstücke oder einem Sklaven vergütet. Auch für Ausrüstung und Proviant wurde eine feste Summe festgelegt, wobei Lebensmittel gleichmäßig ohne Rangunterschiede verteilt wurden. Was nach diesen Abzügen von der Beute blieb, erhielt nach festen Regeln die Besatzung. der Kapitän oder Befehlshaber bekam gewöhnlich einen fünffachen Anteil für das Schiff und zwei bis drei Anteile für seine persönliche Leistung. Der Steuermann erhielt zwei Anteile, alle anderen, sofern sie nicht wie Wundarzt und Zimmermann fest abgefunden wurden, bekamen einen Anteil, ausgenommen die Schiffsjungen, die je einen halben Anteil erhielten.

Der Eid, den die Flibustier vor der Ausfahrt ablegten, verlangte von ihnen, nicht den geringsten Gegenstand, den sie als Beute machten, für sich zu behalten, zu verbergen oder zu verstecken. Verstieß einer gegn den Eid, wurde er aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und, mit einer Flinte, an einer öden Küste ausgesetzt und seinem Schiksal überlassen. Auch der Kapitän war von dieser Bestimmung nicht ausgenommen, obwohl er in der Schiffsführung und im Kampf die uneingeschränkte Befehlsgewalt besaß. Beim Beutemachen und bei der Beuteteilung genoß der Steuermann eine besondere Vertrauensstellung. Er bestimmte an Bord des genommenen Fahrzeugs, was als Beute auf das eigene Schiff umgeladen wurde und was nicht. Gold, Silber, Perlen und Schmuckgegenstände galten dabei grundsätzlich und immer als Beute.

Im Verlauf der Zeit hatten die Flibustier auf den verschiedensten Inseln der Antillen angesiedelt. Sie bildeten kleine, international zusammengesetzte Gemeinschaften mit starkem französichem, manchmal auch englischem oder holländischem Anteil. Diese Flibustiergemeinschaften wurden später als Brückenkopf für die Besitzergreifung durch die europäischen Kolonialmächte genutzt. Sie kämpften als Kaper und als Landungstruppen unter der Flagge ihres Landes zusammen mit regulären Truppen.

Im Jahre 1625 ließen sich die Franzosen auf St. Christopher nieder. Von dort eroberten sie einen Teil von Santo Domingo sowie Martinique und Guadeloupe. Die Holländer landeten 1634 auf Tobago und Curacao, die Engländer 1655 auf Jamaika und auf Barbados. Zug um Zug wurden die Spanier gezwungen, die Antillen-Inseln aufzugeben. Sie hielten zum Schluß nur noch Kuba und die ärmere Hälfte von Hispaniola in ihrem Besitz. Von ihren Stützpunkten auf den Antillen konnten die Flibustier zu jeder Zeit als Kaper im Auftrage einer staatlichen Macht oder als Freibeuter in eigenem Auftrage die Verbindungslinien Spaniens zu seinen amerikanischen Kolonien unterbrechen. Aber sie begnügten sich nicht mit Überfällünderung waren Kirchen unden auf spanischen Schiffe, sondern griffen auch die amerikanischen Ausgangshäfen der Schiffe an. Das Angriffskonzept war fast immer gleich. Überraschend erschienen die Flibustierschiffe vor dem Hafen und beschossen ihn. Dann wurde ein Landungskommando ausgesetzt und die Stadt gestürmt. Daran waren bis auf ein geringes Restkommando an Bord alle Piraten beteiligt. Hauptobjekte der Plünderung waren Kirchen und Häuser reicher Bürger, die vielfach gefoltert wurden, um die Verstecke ihrer Wertsachen zu erfahren. Zum Schluß wurde die Stadt angezündet, und die Flibustier verschwanden so plötzlich, wie sie gekommen waren.

Unter den vielen Anführern der Flibustier sind einige wegen ihrer Erfolge bsonders bekannt geworden.

Quelle: Piraten, Seeraub auf allen Meeren von Heinz Neukirchen Veb Verlag für Verkehrswesen 1976, copyright by Jadu, 2000


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