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Mehenkwetres Puppen

Ägyptisches Leben vor 4000 Jahren

Von Hanna Günther

Die Begeisterung, die die Welt ergriff, als die Entdeckung des fast unberührten Grabes Tut-anch-Amons bekannt wurde, hat einen ändern Gräberfund, den amerikanische Forscher kurz vorher in der gleichen Gegend machten, ganz in den Hintergrund treten lassen, obwohl er in seiner Art nicht minder bedeutungsvoll ist, als die Schätze des Pharaonengrabs. Man weiss, dass die alte Pharaonenstadt Theben seit langen Jahren das Arbeitsfeld vieler Forschungsexpeditionen ist, die das Gelände sozusagen unter sich aufgeteilt haben, damit keine der anderen in die Quere kommt. Auch das Neuyorker „Metropolitan Museum of Arts" unterhält in Theben eine solche Expedition, die schon vor dem Krieg eifrig tätig war und gleich nach Kriegsende ihre Arbeit unter ihren Leitern Winlock und Lansing mit reichen Mitteln wieder aufnahm. Im Jahre 1919 wurde von ihr am Westufer von Theben, an den Felshängen hinter Kumeh, in der Nähe der Stelle, wo Maspero 1881 die Mumien der grossen Pharaonen entdeckte, die Mumie eines Prinzen A n i e n e m h e t aus der l 8. Dynastie gefunden. Seitdem waren diese Hänge, die eine ganze Gräberstadt umschliessen, das Hauptarbeitsgebiet der Expedition. Ein Grab aus der l l. Dynastie zog Lansing und Winlock vor allem an. Nach seiner Grösse und Anlage (siehe Abb.) musste es die Kammer eines hohen Würdenträgers sein. Später stellte sich heraus, dass es sich um das Grab eines Prinzen und Kanzlers namens Mehenkwetre handelt, der zur Zeit des Königs Mentuhotep III., um 2000 v. Chr., lebte. Man wusste, dass dieses Grab schon 1895 von Daressy und 1902 von Mond durchsucht worden war. Man konnte aber deutlich sehen, dass beide Forscher es mit ihrer Arbeit nicht sehr genau genommen hatten, wenigstens war der Vorhof niemals gründlich freigelegt worden und gerade hier hatte Daressy Bruchstücke eines sehr schön bemalten Reliefs gefunden. Deshalb ordnete Winlock eine gründliche Durchsuchung des Grabes an, in der Hoffnung, darin neues Material aus der Zeit des Königs Mentuhotep III., dessen Haushofmeister Mehenkwetre gewesen war, zu finden.

Eine grosse Schar von Arbeitern arbeitete mehrere Tage lang an der Freilegung der Plattform, die den Vorhof des Grabes bildet. Man stellte fest, dass der Vorhof ursprünglich eine Säulenhalle war, in deren geglättete Kalksteinwand man Flachreliefs eingemeisselt hatte, die mit einer in der ägyptischen Kunst seltenen Zartheit bemalt waren. Von diesen Reliefs wurden aber nur wenige kleine Bruchstücke gefunden, dazu zwei Fausthämmer äusserst roher Art, die man unter anderen Fundumständen für Steinzeitgeräte gehalten hätte. Aus diesen Werkzeugen musste man schliessen, dass spätere Zeiten die Halle zerstört und die Kalksteinblöcke zu Bausteinen zerschlagen hatten. Damit wurde die Hoffnung, in den Grabkammern noch etwas zu finden, fast zunichte. Die Expedition hatte sich aber zum Grundsatz gemacht, eine einmal begonnene Freilegung unbedingt zu Ende zu führen, auch wenn das Ergebnis nur aus einem genauen Plan der durchforschten Stätte bestand. So wurden auch hier die Arbeiten mit der Säuberung des Ganges und der beiden Grabkammern fortgesetzt, und diese Zähigkeit fand einen unerwarteten Lohn.

Als man eines Abends dabei war, die von den Wänden und der Decke des Hauptganges herabgefallenen Steine zu beseitigen, merkte ein Arbeiter, dass ein Stein in der Seitenwand nahe am Boden des Ganges lose war und zog ihn heraus. Zu seinem Erstaunen sah er in ein gähnendes schwarzes Loch, das auch der Schein einiger Zündhölzer nicht zu erhellen vermochte, so dass sich nicht feststellen liess, was in der Finsternis etwa verborgen war. Der mit der Überwachung der Arbeit beauftragte Vorarbeiter rief durch einen eilig hingekritzelten Zettel Winlock und Lansing herbei. Glücklicherweise hatten sie eine elektrische Taschenlampe mitgebracht, und einer nach dem anderen legte das Auge an das Loch in der Wand, während er gleichzeitig mit der Lampe die Finsternis möglichst zu erhellen suchte.

Das Bild, das sich den Forschern bot, hatte keiner von ihnen zu sehen erwartet. Die Abb. gibt einen Begriff davon. ,,Der Lichtstrahl fiel in eine kleine Welt, die 4000 Jahre hinter uns lag," schreibt Lansing in seinem Bericht an das Metropolitan Museum. „Ich blickte auf ein Gewimmel winziger, bunt bemalter menschlicher Figuren, die sich scheinbar in den verschiedensten Richtungen durcheinander bewegten. Ein hohes schlankes Mädchen blickte mit steinerner Ruhe zu mir herüber. Eine Schar kleiner Männer mit Stücken in den erhobenen Händen trieb gefleckte Ochsen vor sich her. Auf einer Flotte kleiner Boote zogen Ruderer an ihren Riemen, während ein Schiff mir gerade gegenüber zu kentern schien, in so gefährlicher Stellung streckte es seinen Bug in die Luft. Und dieses ganze geschäftige Kommen und Gehen lag versteinert in unheimlichem Schweigen."

Die nächsten drei Tage waren die arbeitsamsten, die die Expedition bis dahin in Ägypten zugebracht hatte. Die kleine Kammer ihres Inhalts zu entleeren, ehe der plötzliche Luftwechsel die bröckligen Steine von den Wänden fallen liess, und doch keines der verschiedensten Objekte zu entfernen, ehe man es photographisch in seiner Originalstellung festgehalten hatte, war eine Aufgabe, die nicht nur harte Arbeit, sondern auch grossen Scharfsinn erforderte. Sie wurde aber glücklich gelöst, und gerade noch zur rechten Zeit, denn kurz nachdem man alles in Sicherheit hatte, begannen die Steine zu fallen.

Erst die ruhige Betrachtung der geborgenen Schätze brachte den Forschern zum Bewusstsein, was sie so unerwartet gefunden hatten. „Das Grab," schreibt Winlock, „war dasjenige eines Mannes von hohem Rang, der vor 4000 Jahren lebte. Er selbst war in einem vergoldeten Sarge, der in einem steinernen Sarkophag stand, in der Grabkammer tief unter dem hinteren Teil des Ganges bestattet gewesen. Dort hatten Diebe Jahrhunderte vor unserer Zeit alles zerstört. Nur diese kleine Kammer war der Plünderung entronnen. Sie entpuppte sich als eine Art Geheimkabinett, in dem die Vorräte für das jenseitige Leben des grossen Mannes aufgespeichert waren.

,,Er konnte sich ein Dasein nicht denken, in dem man weder Speise noch Trank, weder Kleider noch Häuser braucht, wie er sie in diesem Leben zu seiner Verfügung hatte. Da er ein reicher Mann war, wünschte er sich auch in der Ewigkeit ein Dasein ähnlich demjenigen, an das er auf Erden gewöhnt war. Seine Klugheit hob ihn über die Stufe des wilden Herrschers, der erwartete, dass an seinem Grabe ein Heer von Dienern hingeschlachtet würde, hinaus. Er nahm, statt dessen ein Heer kleiner, hölzerner, geschnitzter und bemalter Diener bei ihren täglichen Beschäftigungen mit in sein Grab. Sie alle arbeiten angesichts kleiner Bilder seiner Person. So arbeiten in der Ewigkeit die Geister dieser kleinen Diener für ihn; sie liefern ihm Geisterspeise und Geistertrank, sie rudern Geisterschiffe auf einem Nil in der Geisterwelt, und seine Seele kann nach Belieben in die kleinen Bilder ihres ehemaligen Leibes eingehen, um so die Frucht der Arbeit der kleinen Diener zu geniessen. — Wir hatten also ein Bild des Lebens gefunden, das der grosse Mann in der Ewigkeit zu leben hoffte, und das war genau das Leben, das er vor 4000 Jahren auf dieser Erde lebte."

Das grösste und eindrucksvollste der vielen Modelle, die man fand, ist in der Abb. wiedergegeben. Es zeigt Mehenkwetre selbst, wie er sein Vieh zählt, das an ihm vorüber getrieben wird. Die Szene spielt im Hof vor seinem Landsitz. Der Hof wird von einer Vorhalle mit vier bunt bemalten Säulen in der Vorderfront überragt. In der Säulenhalle sitzt Mehenkwetre; an der einen Seite hockt sein Sohn und Erbe auf dem Boden (siehe Abb.); auf der anderen hocken vier Schreiber, die geschäftig das Ergebnis der Zählung auf grossen Papyrusrollen verzeichnen. In der Halle und auf den Stufen stehen mehrere Diener. Auf dem Hofe steht der oberste Hirt; im Begriff, seinen Bericht zu erstatten, verneigt er sich grüssend vor seinem Herrn. Vorn schwingen die anderen Hirten beim Vorübertreiben der Ochsen Arme und Stöcke in die Luft; die Ochsen sind teils rot, teils schwarz, einige auch scheckig und gesprenkelt.

Ein zweites Modell zeigt den Stall, in dem die Ochsen gemästet werden (vergl. Abb.). In dem einen Räume sind die Tiere reihenweise an die Krippen gebunden, in denen ihr Futter liegt. In einem zweiten Raum werden die bereits fetten Tiere mit der Hand gefüttert. Ein Ochse scheint schlachtreif zu sein; er ist so fett, dass er sich nicht mehr vom Boden erheben kann; ein Knecht stopft ihm das Futter ins Maul.

Die letzte Szene des Ochsenlebens, das Schlachthaus, fehlt ebenfalls nicht. Die Ochsen werden in eine zwei Stock hohe Säulenhalle geführt, in die man von oben hineinblickt (Abb.). Hier werden die Tiere zu Boden geworfen und gefesselt. Ein Schreiber sitzt mit Federdose und Papyrusrolle an der Seite, um die Zahl der geschlachteten Ochsen zu notieren. Ein Oberschlächter überwacht die Schlachtung. Über einem Kohlenbecken in der Ecke bereiten zwei Männer Blutpudding. Hinten am I lause ist eine Art Terrasse, zu der Stufen hinaufführen; dort wird das Fleisch zum Reifen aufgehängt.

Für das Fleisch ist damit gesorgt, aber man braucht ja auch Brot. Das Modell eines Kornspeichers enthält das dafür nötige Getreide. Im Hofe vor dem Speicher sitzen die nirgends fehlenden Schreiber auf dem Boden und stellen auf Papvrusrollen und Schreibtafeln eine Abrechnung auf, während zwei Bauern Korn in Massgefässe schaufeln und dann in Säcke füllen. Andere Bauern tragen die Säcke die Stufen hinauf, um den Inhalt in einen der drei geräumigen Behälter des Speichers rieseln zu lassen. An der Vordertür sitzt ein Vogt und überwacht die Arbeit; zugleich achtet er darauf, dass keiner die Arbeitsstätte verlässt, ehe seine Zeit um ist.

Die Bäckerei ist mit der Brauerei in einem Gebäude vereinigt, das wir in der Abb. sehen. Im ersten Räume, der Brauerei, mahlen zwei Frauen das Korn zu Mehl, das ein Mann in grosse Teigklumpen verwandelt.

Ein anderer scheint diese Klumpen in einem Fass zu Brei zu zertreten. In vier grossen Häfen wird die Meische vergoren. Ist die Gärung beendet, so wird die Flüssigkeit in mit Stopfen versehene Krüge gefüllt, die in Reihen die Wand entlang stehen. — Eine Türe führt zur Bäckerei nebenan, dort zerstossen Männer das Korn mit Mörserkeulen; Frauen mahlen es zu Mehl. Andere Männer bereiten den Teig und formen daraus seltsame Brote und Kuchen, die man in grossen Öfen backt.

Zwei Modelle sind wichtigen Handwerken gewidmet. Arbeitende Zimmerleute zeigt das eine, Frauen beim Spinnen und Weben das andere.

In der Webstube (Abb.) bereiten drei Frauen den Flachs zum Spinnen vor, während andere Frauen mit Flachsspinnen beschäftigt sind. Dabei stehen sie und halten den Spinnrocken in der linken Hand. während sie mit der rechten die Spindel gegen das Knie drehen. Sind die Spindeln voll. so gehen sie auf die andere Seite der Spinnstube und wickeln den frisch gesponnenen Faden um drei in der Wand befestigte Pflöcke. Auf zwei grossen Webstühlen wird aus dem gesponnenen Faden Linnen gewoben. — Die Zimmermannswerkstatt ist ein halb überdachter Hof, mit einem Schmiedeofen zum Schärfen der Werkzeuge und einem grossen Kasten mit Sägen, Handbeilen, Meisseln, Bohrern und anderen Werkzeugen, der unter dem Schutzdach steht. An den Seiten des offenen Hofes hocken Gruppen von Zimmerleuten, die mit Handbeilen grosse Holzblöcke behauen oder sie mit Sandsteinstücken glätten. In der Hofmitte hat ein Säger einen grossen Balken aufrecht an einen Pfahl gebunden, um ihn von oben nach unten in Bretter zu sägen. Ein anderer Zimmermann sitzt rittlings auf einer Planke und schlägt mit Schlegel und Stemmeisen Zapfenlöcher in die Kante.

Seine Pflichten als Kanzler und Haushofmeister des Königs, wie die Verwaltung seiner eigenen Güter haben Mehenkwetre wohl oft zu Reisen gezwungen. Im alten Ägypten wurden grosse Reisen nach Möglichkeit zu Schiff gemacht, und ein Mann vom Range Mehenkwetres
besass natürlich eigene Reiseschiffe. Für kleine Vergnügungsfahrten musste aber auch gesorgt werden, denn der Nil und die von ihm zurückgelassenen Lagunen bildeten ja die wichtigsten Erholungsstätten jener Zeit. Kein Wunder also, dass fast die Hälfte der in der Kammer gefundenen Modelle aus Schiffen und Booten der verschiedensten Art besteht, die uns gründliche Aufschlüsse über die Form, die Takelage und die Fortbewegung der vor 4000 Jahren auf dem Nil benutzten Schiffe geben. Denn alle diese Modelle sind sehr genau und vollständig ausgeführt und ausserdem so gut erhalten, dass bei den meisten sogar die Taue und Knoten noch intakt sind. Unter anderem hat man an diesen Modellen die Form der damals gebräuchlichen Steuerräder zum erstenmal genau festgestellt.

Im ganzen fanden sich vier Reiseboote, die im Modell etwa 1,2 m lang sind, während sie in Wirklichkeit wohl l 2 bis l 5 m lang waren. Die Besatzung besteht aus je zwölf bis achtzehn Matrosen, mehreren Steuerleuten und dem Kapitän. Stromaufwärts gingen die Schiffe mit den vorherrschenden nördlichen Winden; dabei setzten sie ein grosses viereckiges Segel (vergl. Abb.). Bei der Fahrt stromabwärts wurde der Mast auf einen Bock umgelegt und das Segel an Bord verstaut; die Besatzung griff dann zu den Schaufelrudern. Die Ruderer holten alle auf einmal aus; den einen FUSS auf die Querleiste vor sich gestützt, zogen sie das Ruder alle zugleich durch, wobei sie schliesslich auf die Querleiste hinter sich zu sitzen kamen. Mehenkwetre ist auf jedem Schiff zu finden. Er sitzt vor der Kabine auf einem Stuhl und erfreut sich am Duft einer aufgehenden Lotosblume. In seiner Nähe sitzt in der Regel ein Sänger, der in einem Falle von einem offenbar blinden Harfenspieler begleitet wird. Die nächste Abbildung gibt diese kleine Szene wieder.

Die Flußschiffe jener Tage waren nicht allzu gross, und das Essen kochen an Bord würde den grossen Mann zu sehr belästigt haben. Die Küche war deshalb auf einem zweiten Schiff untergebracht, das dem Reiseboot folgte und zu den Mahlzeiten längsseits vertäut wurde. Ein Modell eines solchen Küchenbootes barg die Kammer ebenfalls (vergl. Abb.). An Bord dieses Bootes mahlen Frauen Korn zu Mehl. Männer bereiten Brot, wobei sie manchmal mit den Füssen im Teig stehen und kneten, während sie mit den Händen die Teigklumpen formen. In der Kabine nebenan sind Rinderkeulen aufgehängt und viele Bier- und Weinkrüge verstaut.

Für kürzere Reisen und Vergnügungsfahrten gab es Yachten — lange schmale grüne Schiffe mit hohem Vor- und Achtersteven, die bei günstigem Wind durch ein viereckiges Segel, sonst durch Ruder fortbewegt wurden. Auf diesen Yachten war für eine Schlafkabine kein Platz; der Schiffsherr sass daher an Deck unter einem kleinen Baldachin, der die sengenden Sonnenstrahlen abhielt.

Zum Fischfang und zur Jagd auf Vögel bedienten die alten Ägypter sich ziemlich schmaler und leichter Ruderschiffe, deren Aussehen die Abb. zeigt. Am Bug stehen Harpuniere, die gerade einen riesigen Fisch gestochen haben ; er wird von einigen Männern längsseits an Bord geholt. An die Seitenwände der Kabine hat man Stangen und Stäbe gebunden, die Vogelnetze tragen. Ein Knabe und ein Mädchen bringen dem Herrn und seinem Sohne, die vor der Kabine sitzen, lebende Tauben, die sie gefangen haben.

Ein anderes Modell zeigt zwei rote Ruderboote. die ein Netz voller Fische — Katzenfische und Barsche sind es —— schleppen. Jedes
Boot wird von zwei Ruderern fortbewegt. Mitten in den Booten stehen die Fischer, die das Netz einholen, und ein Helfer, der die Fische herausnimmt.

Nach des Tages Last und Arbeit pflegte sich Mehenkwetre wohl im Garten seines Hauses zu ergehen. Damit die Seele diese Erquickung nicht missen muss, hat man auch zwei Gärten in kleinen Modellen wiedergegeben, die bisher unter den ägyptischen Altertümern einzig dastehen. Die Gärten sind von einer hohen Mauer umgeben, die die Aussenwelt völlig abschliesst (vergl. Abb.). In der Mitte liegt ein kleiner rechteckiger Teich aus Kupfer, so dass man ihn wirklich mit Wasser füllen kann. Ringsum ist er von Fruchtbäumen umgeben. Vom Garten aus sieht man auf eine kühle breite Säulenhalle mit buntbemalten Säulen. Hinter dieser Halle liegt die Front des Hauses, angedeutet durch eine grosse doppelte Einfahrt mit einem halbrunden Lichtloch darüber, durch eine kleinere Tür für den täglichen Gebrauch und ein grosses Gitterfenster. Die Bäume sind aus Holz geschnitzt, und zwar jedes einzelne Blatt für sich. Die Blätter sind in die Äste eingepflöckt.

Diese Bäume bilden ein typisches Beispiel für den naiven Realismus der ganzen Modelle. Die Früchte hängen nicht an den Zweigen, sondern an den Ästen, so dass kein Zweifel darüber herrschen kann, dass die Sykomorefeige dargestellt worden ist. Was die Schnitzerei selbst anlangt, so kann sie kaum als künstlerisch bezeichnet werden. Aber alle Figuren, Geräte usw. sind lebenswahr und gut beobachtet. Die Bewegungen sind genau festgehalten, und der Glanz der bunten Farben gibt den Modellen eine Heiterkeit, die den formgerechteren Arbeiten jener Zeit durchweg fehlt.

Mit dem Grabe oder der Bestattung Mehenkwetres haben nur drei der vierundzwanzig Modelle, die man fand, etwas zu tun. Eine kleine
Gruppe von vier Figuren auf einem gemeinsamen Postament stellt einen Priester dar, der das Weihrauchfass schwingt und ein Trankopfer darbringt; daneben sieht man einen Mann mit einem Stoss von Bettüchern auf dem Kopf und zwei Mädchen, die Gänse und Körbe mit Speisen tragen. Zwei weitere Mädchen, die ebenfalls Speisen zum Grabe bringen, standen zu beiden Seiten der Kammer. Die eine Figur trägt einen Korb voller Weinkrüge auf dem Kopf, die andere einen Korb voll Fleisch und Brot; in der einen Hand halten beide eine lebende Taube. Beide Figuren sind in phantastisch bemalte Gewänder gekleidet und in halber Lebensgrösse aus Holz geschnitzt, so dass sie das Gewimmel der übrigen Gestalten, von denen die grössten nur etwa 25 cm messen, weit überragen. Winlock beschreibt, wie er die Mädchen durch das Loch in der Wand der Kammer zum erstenmal erblickte: „Mit ernsten, weit offenen Augen sahen sie mich an. Viertausend Jahre hatten sie so schweigend gestanden."

Viertausend Jahre sind eine Ewigkeit! Aber es nützt nichts, sich das vorzusagen; wir bekommen deshalb doch keinen Begriff von der seitdem verflossenen Zeit. Denkt einmal zurück, wie weit schon das Zeitalter Luthers oder Kopernikus' hinter uns liegt. Und doch sind seitdem erst 500 Jahre verflossen. An das Jahr 1000 haben wir schon fast keine Erinnerung mehr. Damals machten die Normannen ihre berühmten Eroberungsfahrten, auf denen Erik der Rote Grönland entdeckte, Wilhelm der Eroberer England unterwarf und Bjarne Herjulfsson als erster Europäer die Küste Amerikas sah. — Weitere 1000 Jahre zurück, und wir stehen im Zeitalter C ä s a r s , haben aber erst den halben Weg hinter uns. Bei S a u l und David ist er zu drei Vierteln zurückgelegt; die Phantasie hat aber immer noch l 000 Jahre zu überbrücken. Lassen wir sie einen Augenblick ihr blühendes Reich vor unseren Augen entfalten. Viele Jahre lang hatte Mehenkwetre in Theben gelebt, als Diener seines Herrn und Herr seiner Knechte, in der Welt, die unsere Bilder uns vor Augen zaubern. Schliesslich kam sein Todestag. Seine Leiche wurde einbalsamiert und von seinem Palast aus über den heiligen Strom gebracht, um in der längst bereiten Grabstätte beigesetzt zu werden. Durch die grünen Felder ging der Zug, auf denen die Bauern mit ihrer Arbeit innehielten, um, auf ihre Hacken gelehnt, dem toten Herrn ein letztesmal nachzusehen. Dann stieg man aufwärts durch die glühenden Felsen bis zum Grabe. Eine lange Prozession folgte dem goldenen Sarge: Mehenkwetres Weib, sein Sohn, die Schar der Verwandten und Freunde, dann die Dienerschaft. Jedes Modell wurde von einem Leibeigenen auf dem Kopfe getragen, und viele Bauernmädchen und Frauen von seinen Gütern schleppten Körbe von Bier und Wein. Brot und gebratenem Fleisch für das Begräbnismahl. Auch von diesen Dingen erwartete der Tote eine ewige Fortsetzung. Deshalb folgten zwei der Mädchen ihm als Statuen mit ihren Gaben in das Grab. Dort kam der Sarg in den
Sarkophag. Ringsherum wurden die 7 Totengaben aufgestellt, die auch noch die Vorkammer füllten. Die Modelle kamen in die kleine Seitenkammer. Dann wurden alle Pforten zugemauert und versiegelt. Beim Zumauern der Seitenkammer muss sich ein kleiner Zwischenfall abgespielt haben, den wir uns heute noch rekonstruieren können. Als die Maurer Stein auf Stein schichteten, stand ihnen eines der Boote im Wege. Einer von ihnen hob es auf und legte es auf das Dach des Kornspeichers. Dabei liess er unter Bug und Heck je einen grossen Fleck des Lehmes zurück, den er gerade unter den Mörtel gemischt hatte. Das Boot zeigt die Flecke noch heute.

So machen uns die Modelle in hundert kleinen Zügen eine Zeit lebendig, von der wir vorher nur unbestimmte Kenntnis hatten. Was sie an neuen Dingen bringen, kann erst die gründliche Bearbeitung des Fundes lehren, die in Neuyork im Gange ist. Dort hat man die eine Hälfte der Modelle im ..Metropolitan Museum" aufgestellt, während das „National-Museum" in Kairo die andere Hälfte erhielt. Die
Schätze Tut-anch-Amons werden sich ihnen bald zugesellen.

Quelle: Die weite Welt, ein Buch der Reisen und Abenteuer, Erfindungen und Entdeckungen; © 1924 by Rascher Cie. A.-G., Verlag, Zürich; Jadu 2001

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