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3. Roy Raperpotz und der Traum des Spartakus
Roy mußte
plötzlich niesen. Irgendetwas stieg ihm in die Nase. Hatschie!
nieste Roy wieder. Hatschie! Hatschie! Doch Schössel
gab nicht auf. Sie schwebte über seinem Gesicht und kitzelte dabei
unaufhörlich seine Nase. Los, Los! Raus aus den Federn ihr
Schlafmützen. Die Sonne steht schon weit oben am Himmel. Racket
drehte sich noch einmal um und gab nur undeutliche Wortfetzen von sich.
Hm? Aufstehen? Mitten in der Nacht? Noch eine halbe Stunde.
mit diesen Worten vergrub er sich wieder unter seiner Decke. Doch er hatte
nicht mit Schössels Hartnäckigkeit gerechnet. Sie schwebte über
den beiden und preßte sich so fest zusammen, daß sich eine
ordentliche Portion Wasser auf die Jungen entleerte. Völlig durchnäßt
sprangen die beiden erschrocken aus ihren Betten. Was soll das,
Schössel? Wir kommen doch schon!
Wir müssen
uns beeilen., erwiderte Schössel mißgelaunt. Wir
haben einen weiten Weg vor uns. Also los, ihr Langschläfer. Meister
Guckifix ist schon in den Bergen, um neue Sterne einzusammeln und ihr
verschlaft den ganzen Tag. Schnell aßen die beiden Jungen
etwas Obst, das für sie auf dem Tisch lag, sprangen dann eilig auf
und folgten Schössel nach draußen, wo bereits ihre wundersame
Kutsche zur Abfahrt bereitstand. Sobald sie eingestiegen waren, erhob
sich die Kutsche in die Höhe und flog dem fernen Ziel entgegen, das
eigenartigerweise den selben Namen trug wie Roy.
Soviel hatte
Roy in den letzten beiden Tagen erlebt, das Tor im Garten des Waisenhauses
St. Jones, welches ihm nun schon so weit weg vorkam, diese wunderbare
Welt hier mit Riesen in seltsamen Wäldern, mit Drachen und kleinen
Wolken, die sprechen konnten, einem Orakel namens Guckifix, der die Zeit
an einer Uhr ohne Zeiger mißt und der ihm von seinen Eltern erzählte
und von einem heiligen Somnel, den er finden sollte, um seine Welt zu
retten, von der er bis vor ein paar Tagen noch nicht einmal wußte,
daß sie existierte. So viel Neues hatte er erlebt, daß ihn
nun gar nichts mehr zu überraschen schien, nicht einmal die Heerscharen
von Soldaten in römischen Gewändern, die plötzlich vor
ihnen auftauchten. So weit das Auge reichte, standen sie in Haufen zum
Kampf bereit. Ihnen gegenüber sah Roy viele zerlumpte Gestalten mit
zersprengten eisernen Fesseln an ihren Händen und Füßen.
Geschunden sahen sie aus mit ihren in Fetzen gehüllten Körpern.
Und obwohl einige wenige von ihnen auch recht gut gekleidet waren, so
sah Roy doch auch in ihren Gesichtern das Leid und den Schmerz der Gefangenschaft.
Aber er sah auch Stolz in ihnen und Entschlossenheit, für ihre Freiheit
zu kämpfen und auch für sie zu sterben.
Vor dieser
seltsamen Menge stand ein Mann, nicht größer oder kräftiger,
aber doch noch stolzer und noch entschlossener als all die anderen. Als
sich die Kutsche den zerlumpten Menschen näherte, verstand Roy den
Namen, den die Männer ununterbrochen riefen: Spartakus, Spartakus!
Es hallte weit über das Land: Spartakus, Spartakus! Die
römischen Soldaten schienen zu erzittern bei dem Widerhall dieses
Namens, denn sie sahen nun noch kleiner und erbärmlicher aus als
zuvor und Angst stand ihnen ins Gesicht geschrieben, als sich die Menge
in Bewegung setzte.
Roy sah, wie
von Spartakus ein seltsames Licht ausging. Ein seltsames und wunderbar
leuchtendes Licht, so wie das Leuchten der Sterne auf Guckifix Waage.
Es erstreckte sich über das gesamte Feld und tauchte alles um sich
in ein gleißendes Feuer. Und dann - wie von einem Blitz getroffen
- leuchtete Spartakus noch heller und noch intensiver. Er strahlte weit
und blendend über das Feld. Und - ja, tatsächlich - da kam noch
ein Blitz von weit oben auf ihn herab geschossen. Direkt aus dem Himmel,
wie Roy glaubte. Doch als er nach oben blickte und die Augen fest zusammenkniff,
sah er dort einen Jungen durch die Luft schweben, der immer näher
kam und unheimlich schnell zwischen all den Menschen umherflog. Dabei
schoß er mit einem seltsamen Gerät diese Blitze ab. Es war
eine Art Kugel, die im Licht der Sonne funkelte. Doch so genau konnte
Roy es gar nicht sehen, denn dieser Junge trug einen silbernen Mantel,
der ihn fast vollständig verhüllte und aus dem Staub wie Sterne
auf alle die Menschen unter ihm fiel.
Aufgeregt schaute Roy diesem Treiben zu. So etwas hatte
er noch nie gesehen. Noch nie in seinem ganzen Leben hatte er so etwas
eigenartiges erlebt. Was tat dieser Junge dort nur, inmitten dieser vielen
Menschen? Niemand schien ihn zu bemerken, niemand schien ihn wahrzunehmen.
Er flog durch sie hindurch und verstreute seinen Zaubersand und feuerte
seine Blitze ab, die jedoch nur Spartakus trafen. Doch irgendetwas schien
nicht zu stimmen, denn Roy sah, wie die Soldaten und Sklaven noch wütender
und zorniger wurden und wild aufeinander losstürmten. Was ist
dort los? rief Roy aufgeregt. Ohne die Augen von dem Spektakel zu
lassen, antwortete Racket. Das ist Spartakus, der Führer der
Sklaven. Er führt sie gegen die römischen Legionen. -
Jaja, ich kenne Spartakus aus der Schule. Er kämpft für
die Freiheit, für seine eigene und für die aller Sklaven. Aber
wer ist dieser Junge, der zwischen all den Menschen herum fliegt und diese
Blitze abfeuert? - Ich weiß nicht, wer das ist, aber
es muß jemand aus der Schule sein. Racket wurde sehr nachdenklich.
Hm! Normalerweise darf niemand aus der Schule in diesem Landesteil
träumeln. - Träumeln? Roy riß neugierig
die Augen auf, da er dieses Wort noch nie gehört hatte. Ja,
träumeln. Ihr wißt nicht, was träumeln ist? - Nein.
- Oh, entschuldigt bitte. Ihr habt ja alles vergessen. So nennen
wir es, den Menschen ihre Träume zu bringen. - So werden
den Menschen ihre Träume gebracht? Roy war sehr beeindruckt.
Nun ja. Irgendwie schon. Roy merkte, daß Racket sehr
nervös wurde. Ich weiß auch nicht genau. Ehrlich gesagt
habe ich so etwas auch noch nie gesehen.
Racket hatte
schon öfter versucht, in eine der Schulen Traumaniens aufgenommen
zu werden. Liebend gern würde er das Träumeln lernen. Doch bisher
hatte er nie die Aufnahmeprüfungen bestanden. So sehr er sich auch
bemühte, so sehr er sich auch endlich zu träumeln wünschte
- jedesmal war er durchgefallen. Doch nun hatte er eine Gelegenheit bekommen,
mit seinem guten Freund Roy Raperpotz die beste Schule in ganz Traumanien
zu besuchen und er freute sich darauf, auch wenn er jetzt schon wieder
Angst vor dieser verflixten Aufnahmeprüfung spürte. Aber er
wußte auch, diesmal war alles ganz anders. Diesmal hatte er den
besten Träumler an seiner Seite. Das wußte er und dieses Selbstvertrauen
verleitet ihn dazu, so zu tun, als ob er schon alles wußte, was
Roy natürlich sofort bemerkte. Doch es störte ihn nicht weiter
und Racket dachte nun auch nicht mehr an die Aufnahmeprüfung, sondern
schaute dem Treiben vor ihnen zu. Spartakus stürmte mit seinen Sklaven
auf die Römer zu und das Licht, welches immer intensiver von ihm
ausstrahlte, verwandelte das gesamte Schlachtfeld in ein riesiges Feuermeer.
Schössel hatte sich ganz klein gemacht und war in Roys Rucksack
verschwunden. Von dort schaute sie vorsichtig mit einem Auge hervor. Irgendetwas
stimmt hier nicht. flüsterte sie leise.
Wie
meinst du das, Schössel? - So wird nicht geträumelt.
Roy sah Racket fragend an, doch der zuckte nur mit den Schultern. Dann
wand er sich wieder Schössel zu. Woher weißt du das,
Schössel? - Ich weiß es eben. Und obwohl
Roy noch keine Ahnung vom Träumeln hatte, so fühlte er doch,
daß hier irgendetwas nicht richtig war. Er konnte es nicht beschreiben.
Etwas in seinem Inneren, etwas, das er noch nicht verstand, gab ihm dieses
Gefühl. Roy sah, wie Spartakus mit jedem Blitz, den er erhielt, sein
Gesicht seltsam verzog und wütend und voller Hast nach vorn stürmte.
Schnell lenkte Roy die Kutsche zwischen den Jungen und Spartakus und fing
den nächsten Blitz mit der Kutsche ab. Nichts passierte. Die Kutsche
vibrierte kurz und wurde dann wieder ruhig. Schössel hatte sich nun
ganz hinter Roys Rücken versteckt. Noch einmal schoß
der Junge einen Blitz von sehr weit oben ab. Doch auch dieser verpuffte
in der Wolkenkutsche und erreichte Spartakus nicht.
Der Junge mit
dem seltsamen silbernen Mantel kam nun selber wie ein Blitz vom Himmel
geschossen und stoppte scharf vor ihnen. Racket fiel vor Schreck nach
hinten. Roy stand fest in der Kutsche und spürte, wie der Wind ihm
scharf ins Gesicht wehte. Er stand fest und hatte keine Angst, auch wenn
der Junge ihn mit stechenden und bösen Augen ansah. Was fällt
dir ein, mein Träumeln zu stören? - Es ist nicht
richtig, was du da machst. antwortete Roy mutig. Wer bist
du, daß du mir sagst, was richtig ist? - Ich weiß
zwar nicht, was du da machst, aber ich sehe, daß es falsch ist.
Wozu läßt du diese Menschen so wütend gegeneinander kämpfen?
- Es ist ihre Bestimmung, zu kämpfen., antwortete der
Junge grimmig und fügte scharf hinzu: Ich frage dich noch einmal:
Wer bist du, daß du unsere Regeln brichst und mich beim Träumeln
störst? Mit diesen Worten holte er aus und wollte schon einen
fürchterlichen Blitz aus seiner Kugel abfeuern. Doch als er Schössel
sah, die vorsichtig hinter Roys Rücken hervorschaute, beherrschte
er sich. Roy merkte, daß es ihm sehr schwer fiel. Du hast
Glück, du Wicht, daß Guckifixs Schoßhündchen
bei dir ist, sonst würde ich dir zeigen, was es heißt, das
Träumeln eines anderen zu stören. Sieh zu, daß sich unsere
Wege nicht noch einmal kreuzen. Er schwang sich in die Lüfte
und verschwand in Richtung Berge.
Racket hatte
sich wieder aufgerappelt und stand nun neben Roy. Was war das denn?
- Ich weiß nicht. Er ist verschwunden. - Was hat
er gesagt? - Er war sauer, weil ich ihn beim Träumeln
gestört habe und er meinte, ich hätte eine wichtige Regel gebrochen.
- Ja, ich glaube, das stimmt. Ich habe davon gehört. Man darf
sich nie in das Träumeln eines anderen einmischen. Man kann einem
Menschen andere Träume schicken, aber man darf sich nie bei einem
anderen Träumler einmischen. - Aber sein Träumeln
war falsch! Hast du nicht gesehen, wie wütend die Menschen waren?
- Ja, habe ich. Aber aus irgendeinem Grunde darf man es nun mal
nicht. Wenn Ihr aber selber träumeln könntet, dann hättet
Ihr Spartakus einen anderen Traum bringen können. - Wir
müssen das Träumeln lernen, Racket. Unbedingt. - Ja,
wenn wir ankommen würden eines Tages. Aber ich fürchte fast,
Schössel kennt den Weg nicht. Schössel, nun wieder mutig,
hörte natürlich diese Bemerkung und empörte sich sofort.
Ihr werdet noch früh genug ankommen, ihr Dreikäsehoch.
Dann werdet ihr zeigen können, was für Kerle ihr seid.
Sie schwebte beleidigt ganz nach vorn und die Kutsche setzte sich wieder
in Bewegung.
Auf dem Feld unter ihnen war es friedlich und ruhig. Ganz plötzlich
waren alle römischen Soldaten und auch Spartakus Mannen verschwunden.
Nur eine saftige grüne Wiese war zu sehen, als ob hier nie etwas
gewesen wäre. Roy ahnte: Spartakus war aufgewacht. Racket nickte
ihm bedeutungsvoll zu. In ihm habe ich einen guten Freund,
dachte Roy. Er reichte Racket die Hand und sagte: Laß von
jetzt an dieses Euch und Ihr, wir wollen du
zueinander sagen. Diese hohe Ehre nahm Racket gerne an.
Die Kutsche
flog nun weiter einem fernen Ziel entgegen, über endlose Wiesen,
über Stock und Stein, über Wälder und über schier
uferlose Meere. So lange waren sie unterwegs, daß Roy nun auch zu
zweifelte begann, ob Schössel den richtigen Weg kannte. Aber als
sie wieder eine dieser wunderschönen Wiesen überflogen, schrie
Schössel plötzlich auf. Dort ist er! Dort unten!
Roy schaute hinunter und sah nichts außergewöhnliches, nun
ja zumindest kein besonderes Gebäude oder etwas in der Art, das die
Schule Raperpotz sein könnte. Auf einer saftigen grünen Wiese
graste friedlich ein schwarzer Hengst. Dieser Hengst war allerdings außergewöhnlich.
In seinem ganzen Leben hatte Roy noch nie ein so schönes Pferd gesehen.
Sein wunderschönes schwarzes Fell glänzte in der Sonne und seine
Mähne schien majestätisch bis in den Himmel zu wehen. Stolz
trabte er über das Gras und stoppte, als er die Kutsche sah. Roy
und Racket sprangen heraus und folgten Schössel, die bereits aufgeregt
vor dem Hengst stand und mit ihm redete. Ehrwürdiger Tarkan!
Endlich haben wir Euch gefunden. - Ich grüße auch
dich, seltsam anmutendes Wölkchen. Sag mir dein Begehren. -
Meister Guckifix schickt mich, um Euch diese beiden Schüler
zu bringen. - Sind sie es würdig, die Schule Raperpotz
zu besuchen? - Es sind Roy Raperpotz und sein Freund Racket,
die Einlaß erbitten. Tarkan musterte einen Augenblick die
beiden Jungen, dann verschränkte er seine Vorderbeine und öffnete
seinen Mund, der seltsamerweise immer größer und größer
wurde, bis bequem ein Mensch hindurchpaßte. Schössel schwebte
gleich hinein, die beiden Jungen aber standen noch staunend vor Tarkan.
Kommt schon, ihr Schlafmützen. Tarkan kann nicht ewig seinen
Mund aufhalten.
Roy tat ungläubig einen Schritt auf den Rappen
zu. Er sah in seine feurigen Pferdeaugen, die ihm freundlich zuzwinkerten.
Dann faßte er allen Mut zusammen und sprang hinein. Racket folgte
ihm. Sobald sie in Tarkan verschwunden waren, schloß dieser seinen
Mund und das Tor hinter ihnen verschwand. Sie standen inmitten eines Pferdes,
doch es war nicht dunkel. Ein sanftes, weiches Licht umgab sie. Aber sonst
konnte Roy nichts weiter sehen. Schössel war schon in der Ferne verschwunden.
Roy hörte sie kaum noch: Kommt schon und trödelt nicht
so. Wir müssen weiter. - Aber wohin? schrie Roy
ihr nach. Was denn? Du weißt immer noch nicht, wohin?
- Ich kann nichts sehen. Schössel kam zurück und
hielt direkt vor Roy. Oh, ja. Ich weiß schon, warum. Ihr mußt
an euch selbst glauben und an die Schule Raperpotz. Ihr müßt
daran glauben, daß sie hier ist, nur dann kann es funktionieren.
Öffnet eure Herzen. Roy legte seine Zweifel ab und sah plötzlich
den Schimmer einer Brüstung und hörte ferne Stimmen. Und als
er ganz fest daran glaubte, erschien die Schule Raperpotz in ihrer ganzen
Pracht vor ihm, umgeben von einem See, auf dem lustig Wasserrosen tanzten.
Ein Brücke schwebte über der Wasseroberfläche und wies
ihnen den Weg zur Schule.
Wohin
gehst du, Roy? fragte Racket, als er die Brücke betreten wollte.
Er konnte noch immer nichts sehen. Schließe deine Augen und
höre auf dein Herz, Racket. Glaube an das Unmögliche.
Und als er dies tat, hörte auch er die Stimmen vor ihm, und als er
die Augen wieder öffnete, sah auch er, was vor ihnen lag: Ein riesiges
Schloß mit großen Türmen und breiten Flügeln. Die
Mauern bestanden nicht aus gewöhnlichen Steinen, sondern waren aus
einem seltsamen gläsernen durchscheinenden Material. Roy konnte bereits
von weitem in den Innenhof schauen. Beide Jungen liefen voller Staunen
über die Brücke, denn in dem See war kein Wasser, sondern glitzernder
Zauberstaub, der funkelte und leuchtete. Roy meinte zu hören, wie
die Wasserrosen auf der Oberfläche ständig etwas murmelten.
Raperpotz. Roy Raperpotz! Sieh nur. Da kommt er endlich. Roy Raperpotz.
Er ist da.
Jetzt verstand
Roy, warum diese Schule vor dem Regen sicher war. Tarkan war ihr Beschützer,
ihr wachsames Auge. Er war pfeilschnell, schneller als der Wind und schneller
als jeder Regen. Und da sich die Schule Raperpotz in seinem Inneren befand,
war auch sie sicher, so dachte Roy damals zumindest.
Die beiden
Jungen standen nun vor dem Tor, das sich öffnete und krachend hinter
ihnen zufiel. Schössel hatte sich wieder klein gemacht und war in
Roys rechter Hosentasche verschwunden. Der Hof des Schlosses war
mit hektisch umherlaufenden Kindern übersät. Überall wurde
laut geredet und getuschelt. Alle schienen sehr beschäftigt zu sein
und keiner nahm so richtig Notiz von den beiden
Neuankömmlingen. Roy merkte schnell, daß etwas nicht stimmte.
Irgendetwas mußte passiert sein. Mitten unter den wild diskutierenden
Kindern stand eine Frau mit grauen wallendem Haar. Roy erkannte sie sofort.
Es war Morella, die die beiden nun bemerkte und begrüßte. Komm
ruhig näher Roy. Wir haben schon auf dich gewartet, wenn auch nicht
gerade heute. Dann richtete sie sich an alle Schüler im Hof:
Ich freue mich, euch einen ganz besonderen Schüler vorstellen
zu dürfen. Komm her Roy! Ein Raunen ging durch die Reihen der
Schüler. Ja, er ist es wirklich. Siehst du die Strähne
in seinen Haaren? Es ist Roy. Roy Raperpotz.
Alle Kinder
drehten sich nach Roy um und einige winkten ihm freundlich zu. Aber er
sah nicht nur fröhliche Gesichter. Ein paar von ihnen schauten sehr
dunkel drein. Unter ihnen erkannte Roy sofort den Jungen von heute Morgen.
Morella sah auch in diese Richtung und sagte scharf:. Greg Haport.
Wir werden uns morgen weiter unterhalten. Um 8 Uhr in meinem Zimmer.
Dann wendete sie sich wieder an die beiden Jungen: Es tut mir leid
Roy, aber ich muß mich jetzt um andere Dinge kümmern. Irgendjemand
hat einen falschen Traum an Spartakus geschickt, einen sehr beunruhigenden
falschen Traum. Irgendjemand - ich kann mir schon denken, wer es war -
hat falsch geträumelt, obwohl es verboten ist. Ich werde jetzt selber
den Schaden beheben müssen. Dann winkte sie einem Mädchen
zu, das nicht weit entfernt von ihnen stand und Roy schon die ganze Zeit
seltsam anlächelte. Romy wird euch zeigen, wo ihr heute nacht
schlafen werdet und morgen lernt ihr die Schule Raperpotz kennen.
Mit diesen Worten warf sie sich einen goldenen Mantel über, murmelte
ein paar unverständliche Worte verschwand.
Als Roy noch
einmal zur Seite blickte, sah er, wie Greg ihn mit grimmigem Blick musterte,
sich dann umdrehte und mit zwei anderen Jungen ins Haus ging. Romy zog
Roy am Ärmel: Laß dich bloß nicht mit dem ein,
Roy! - Was? - Greg Haport. Laß dich ja nicht
mit dem ein. Wie ich hörte, hat er die Schule Raperpotz schon oft
in Schwierigkeiten gebracht. Dann lächelte sie und zog Roy
noch stärker am Arm: Ich freue mich so, daß du wieder
da bist. Kennst du mich denn noch? Roy kannte sie zwar nicht, doch
spürte er sofort eine enge Vertrautheit, die er nicht erklären
konnte, die ihm jedoch sehr gefiel. Deshalb antwortete er ihr freundlich.
Ja, irgendwie schon. Es ist nur... Racket half ihm: Er
kann sich an nichts erinnern, Romy. Laß ihm noch ein bißchen
Zeit.
Romy führte die beiden ins Schloßinnere und zeigte ihnen ihre
Zimmer. Hier werden wir schlafen. Ich hoffe, für längere
Zeit. Wir müssen gut aufpassen in den nächsten drei Tagen. Am
vierten Tag ist die Aufnahmeprüfung und wie ich hörte, ist die
nicht leicht hier in Raperpotz. - Erinnere mich bloß
nicht daran! stöhnte Racket. Roy war zu müde, um sich
genauer im Zimmer umzusehen. Sobald er sich seine Zähne geputzt und
sich gewaschen hatte, fiel er ins Bett, zog sich seine Decke weit über
den Kopf und schlief sofort ein.
Copyright by Tiras Rapkeve, Januar
2001
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